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Interview Timo Bracht (GER): ‚Ironman ist so ehrlich, er bestraft sofort am Renntag!‘



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Interview Timo Bracht (GER): ‚Ironman ist so ehrlich, er bestraft sofort am Renntag!‘


Frankfurt am Main - Der Eberbacher Timo Bracht muss am Wochenende das schwerste Rennen seines Lebens bestreiten. Der amtierende Europameister im Ironman Triathlon muss sich gleich mit einem halben Dutzend hochkarätiger Herausforder auseinandersetzen.

3athlon.de: Timo, die Frankfurter Sparkasse European Championship 2007 kann man als den bisherigen Höhepunkt Deiner sportlichen Karriere bezeichnen. Mit welchen Gefühlen bist Du 2008 nach Frankfurt angereist?
Timo Bracht: Also heute bin ich auf dem Weg zur Pressekonferenz aus dem ICE ausgestiegen, laufe durch die Bahnhofshalle und habe im Sonnenschein auf die Skyline geschaut. Das warme Siegergefühl war noch da. Die  Erinnerung ist noch da. Ich habe ein gutes Gefühl, sehe es weniger als Druck an, wie Du gesagt hast, sondern eher als Herausforderung.

Natürlich gibt die Nummer 1 Druck gibt und es kann schwer sein. Ich versuche mit einer anderen Einstellung in den Ironman zu gehen. Es ist eine tolle Herausforderung in so einem Feld an den Start zu gehen. Alle haben sich bissl umgeschaut bei der Pressekonferenz und wohl gar nicht mehr gewusst, wo die Runde aufhört - mit den Favoriten

3athlon.de: Kommt die Nervosität langsam zum Vorschein? Noch sind es 5 Tage bis zum EM-Start am Langener Waldsee, noch ruht er still…
Timo Bracht: Ne, eher ruhig die letzten Tage. Ich habe gemerkt,  dass es ziemlich ruhig wurde, entspanne mich viel, ruhe mich aus, schlafe sehr viel.
Die Nervosität kommt dann ab Samstagmittag, rasend schnell. Am Sonntagmorgen, dann reicht es auch und es muss losgehen. Es ist nicht immer leicht, das Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung in der Rennwoche und am Rennwochenende zu finden. Im Moment ist noch Ruhe vor dem Sturm.

3athlon.de: Wie ist die bisherige Saison gelaufen? Du bist der neue Deutsche Meister auf der Mitteldistanz, musstest Dich aber einem außer Konkurrenz startenden Normann Stadler geschlagen geben. Allerdings warst Du zuvor mit einem Infekt lahmgelegt. Wie ordnest Du die Leistungen des Wochenendes ein?
Timo Bracht: Also, da habe ich mich heute schon in die Nesseln gesetzt bei der PK (Pressekonferenz Ironman European Championship). Ich wurde als Deutscher Meister Mitteldistanz vorgestellt, habe aber gleich  anerkannt, dass Normann [Stadler] der Stärkere an diesem Tag gewesen ist.  Ich habe dann ergänzt, dass das Rennen nun 4 Wochen her sei und Sonntag ich vor ihm sei (schmunzelnd). Das hat er mir wohl ein wenig als Respektlosigkeit ausgelegt. Ich habe aber mein Licht unter den Scheffel gestellt. Ob ich Durchfall hatte eine Woche zuvor interessiert am Ende Keinen. Ich bin letztlich froh nach dieser Woche dass ich das Ziel in Kulmbach gesehen habe.

3athlon.de:  Wie ist die Taperphase, die Erholung bis zum Tag X bisher verlaufen? Faris Al-Sultan klagte im Interview auf 3athlon.de über Schwierigkeit erholt aber noch immer unter ausreichend Spannung an der Startlinie zu stehen…
Timo Bracht: Das ist mein Kapital, dass ich auf den Punkt topfit bin. Faris hat andere Qualitäten. Wenn er  die Punktlandung schafft ist er nicht zu schlagen. Mein Kapital ist es, konstant die Leistung abzurufen.

Die Vorbereitung lief sehr gut. Seit 2002 bin ich beim Sommer-Ironman eigentlich immer auf dem Treppchen gelandet. Lass mich zählen: 1,2, 3, … das 7. Jahr ohne Verletzung,  2002 und 2003 noch als Amateur unterwegs. Mit langer Vorbereitung bin ich bisher immer super  im Winter durchgekommen. Das ist bei mir dann programmiert, dass ich im Sommer beim Ironman Bestform abrufen kann. Die Form ist gut wie nie!

Das massierte Feld sorgt bei jedem einzelnen Profi  für einen Anstieg im Niveau. Der Wettbewerb beschleunigt auch die Entwicklung aller Sportler, weil die Leistungsdichte so hoch ist. Ich persönlich habe mich im Schwimmen verbessert, bin auf dem  Rad kontanter geworden und habe das Laufen konserviert . Hier kann ich eventuell ein, zwei  Minuten draufpacken.

3athlon.de: Wir haben bereits mit Frank Vytrisal und auch Faris über verschiedene Taktikmöglichkeiten gesprochen. Beide gehen von der Möglichkeit aus, dass 3 bis 4 starke Schwimmer das Heil in der Flucht suchen werden. Wie sehen Deine Taktikvariationen aus?
Timo Bracht: Der klassische taktische Kniff ist „Wer zuerst über das Ziel läuft ist der Sieger.“ (lachend)“.
Ernsthaft, das  massierte Feld bietet mehrere Optionen. Auch auf Hawaii wird doch in aller epischer Breite diskutiert und am Ende reißt es dann doch wieder auseinander. Ich befürchte, dass es in Frankfurt dann doch ein ziemlich klares Rennen hinten raus wird. Aber ich denke auch, dass es die Option mit 2 bis 3 Topschwimmern geben wird. Allerdings wird die zweite Gruppe hinter dieser Topgruppe maximal  ein bis zwei Minuten Abstand haben – mehr ist heutzutage kaum noch drin, da reißt keiner mehr so richtig aus.

Ich kann mir einen Zusammenschluss bei  50, 60, 70 Radkilometern vorstellen, wenn  8 bis 12 Fahrer durchs hessische Umland ballern. Beim Laufen lautet das Motto dann „friss oder stirb“, lauf mit so lange du kannst - auf mich bezogen zumindest.

3athlon.de: Momentan liegt die Temperatur des Langener Waldsees bei 22,7° Celsius. Es könnte ein Schwimmen ohne Neoprenanzug werden. Positiv oder negativ?
Timo Bracht:Ich mich auf das Schwimmen mit Neo noch einmal speziell vorbereitet. Mir wäre lieber mit...

3athlon.de: Wer sind in Deinen Augen nominell die stärksten Mitbewerber auf die Krone und das Podium des Ironman in Frankfurt?
Timo Bracht: Das ist eine klassische Journalistenfrage, die eigentlich Du beantworten kannst. Wer sind denn Deine Favoriten (?), Du hast den besseren Überblick.  Die Felder werden immer breiter und wenn ich anfange mit den Favoriten, weiß ich nicht wo ich aufhören soll. Da können Journalisten ihre Geschichten drüber schreiben und sich den Kopf zerbrechen.

3athlon.de: Welche Gegenmaßnahmen hast Du im Köcher, wo liegen die derzeitigen Stärken des Timo Bracht?
Timo Bracht: In Frankfurt bin ich immer gut  geschwommen. 2006, 2007 war ich in der zweiten  Gruppe im vorderen Bereich. Wenn ich die ersten 200 Meter mitkomme, traue ich mir zu ganz vorne an den Füßen zu bleiben. Wenn nicht ganz vorne am Anfang lande, schwimme ich ökonomisch in der nachfolgenden Gruppe mit. Es ist Ironman, es geht  nicht um ständiges Gas geben und abbremsen. Es geht drum, dass die dicken Motoren mit ordentlichem Hubraum  anlaufen, ohne dass sie bei hohen Drehzahlen platzen. Das ist die Kunst.
Ich denke ich bin in diesem Jahr bin ich mehr denn je ein ausgeglichener Athlet. Auch wenn man es nicht so sieht, habe ich an vielen Dingen wie allgemeiner Athletik gearbeitet und weitere Schwächen abgebaut. Insgesamt bin ich kompletter, weiterentwickelter. Das ist nicht immer nur auf Leistung bezogen, gerade als Profi gibt es viele Verbesserungsmöglichkeiten abseits von Schwimmen, Radfahren und Laufen. Insbesondere  in Trainingslagern plane ich diese länger und achte mehr auf Regeneration.

Wenn man keine Fehler macht, kommt man nicht weiter. Faris macht etwa aus, dass er was riskiert. Er  verlässt gerne ausgetretene Pfade mit dem Risko dass er das dann an die Wand fährt. Das kann ich mir so nicht alles leisten. Ich will nicht das Wort Talent in dem Mund nehmen. [Normann] Stadler war schon vor 18 Jahren Vize-Europameister - ich wurde etwa zeitgleich bei den Leichtathleten  damals ausgemustert weil ich zu langsam war. Ich muss immer an mir arbeiten und als Quereinsteiger wurde mir in dem Sport nie etwas geschenkt. Die eher unpopuläre Dinge, wie Willen, Knowhow, Einsatz, Disziplin,... haben mich eher so weit gebracht.  Der Kopf muss dahinter sein. Das soll nicht implizieren, dass Faris kopflos an die Sache geht, ganz im Gegenteil.

3athlon.de: Was macht Deine Familie an Deinem „längsten Arbeitstag des Jahres?“
Timo Bracht: Alles schon geplant. Ich habe einen Riesenfanunterstützung aus Eberbach. Die haben sogar einen Bus mit meinem Konterfei beklebt, der fährt jetzt die nächsten Jahre so rum.  Es gibt eine offizielle Fanreise und Fanshirts. Ich habe ja auch ein Team um mich herum. Meine Frau und mein Sohn sind ebenfalls vor Ort. Die Fussball-EM war gut, um das Jubeln lernen. Mein Sohnemann hofft nun, dass gewinne und mit der Deutschlandfahne über das Ziel laufe – das ist wohl total in derzeit. Meine Tochter macht einen Ausflug in den Zoo mit den Schwiegereltern – Ablenkung muss auch sein. Ich glaube aber schon, dass sie das Radio laufen haben. Wird ja auch gut übertragen vom hr…

3athlon.de: Hast Du einen abschließenden Tipp an Rookies, die sich zum ersten Mal auf die Langdistanz begeben?
Timo Bracht: Die klassischen Formeln von wegen ruhig angehen und Co. sind vielleicht zu abgegriffen. Das wichtigste ist, dass Frankfurt auch nur ein Ironman wie jeder andere auch ist: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen.
Man sollte auf die innere Uhr hören, viel Selbstvertrauen mitbringen und auf das geleistete Training vertrauen. Die haben alle die Chance durchzukommen am Langener Waldsee. Im Gegensatz zum Marathon liegt beim Ironman die Hürde doch höher und die Leute bereiten sich einfach besser vor. Sie können auf ihre Selbstbewusstsein bauen, meist sind die Rookies ja die, die am besten durchkommen - weil sie sich gut und umfassend vorbereiten.
Natürlich werden sie den meisten Bammel haben, es ist schließlich der erste Ironman. Überlege mal, du machst einen Ironman und kommst nicht ins Ziel. Das braucht gutes Selbstvertrauen und genügend Trainingskilometer. Wer zu wenig macht, (hm…) Ironman ist so ehrlich, er bestraft sofort am Renntag!
(Kai Baumgartner)

Links
Website Timo Bracht
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2007 brachte eine ausgeklüglete Wettkampfsimulation Timo Bracht zum Titel.
Foto: Ulihb - 3athlon.de

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2008 wird der Druck auf den Titelverteidger schon von Anfang an enorm sein.
Foto: Ulihb - 3athlon.de

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Doch Bracht sieht in dem Druck eine Herausforderung, die angenommen werden muss.
Foto: Peter Müller

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