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Interview mit Frank Vytrisal (GER): ‚Jetzt wache ich am Morgen auf und denke, dass es nur noch eine Woche bis zum Tag X ist. Der Tag, auf den ich mich ein halbes Jahr vorbereitet habe.‘

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"Tut schon weh, aber lieber wehtun und ein gutes Gewissen als Slalomfahren weiter hinten." - Normann Stadler bei seiner Solofahrt beim Ironman Hawaii 2003 mit neuer Windschattenregel auf der Radstrecke zum Reporter der ARD.





Interview mit Frank Vytrisal (GER): ‚Jetzt wache ich am Morgen auf und denke, dass es nur noch eine Woche bis zum Tag X ist. Der Tag, auf den ich mich ein halbes Jahr vorbereitet habe.‘


Frankfurt am Main - Frank Vytrisal umweht trotz beständiger Top 5-Platzierungen beim Ironman in Frankfurt noch immer das Flair des Underdogs. 3athlon.de hat den Lokalmatadoren im ersten Jahr als „Neuprofi“ im zarten Alter von $41 Jahren zum Gespräch gebeten.

3athlon.de Frank, wie lebt es sich ohne den Alltag als Lehrer? War der Schritt zum Profitum im reifen Alter von 41 Jahren die richtige Wahl?
Frank Vytrisal Ja, seit dem 5. Februar bin ich aus der Schule draußen. Ich habe den Schritt nicht bereut, es hat großen Spaß gemacht das zurückliegende halbe Jahr. Ich habe in Ruhe trainieren können und viel Zeit für die Familie gehabt. Ich sage mal, ich habe ja noch 25 Jahre Lehrerdasein vor mir. Ich bin quasi  für 2 Jahre Auf Elternzeit zu Hause und freue mich auch auf unser zweites Kind, das im September zur Welt kommen wird.

3athlon.de Beschwert sich nicht die Familie, wenn die Elternzeit zur Profizeit wird?
Frank Vytrisal Ganz im Gegenteil: Durch die neue Situation habe ich viel mehr Zeit für die Familie. Ich kümmere mich schließlich nur um das Training und die Familie. Es ist nicht mehr so wie früher, als  Berufsleben in der Schule, Training  und Familie manchmal für zeitlichen Stress gesorgt haben. Ich habe einen sehr angenehmen Alltag. Das war vorher zeitlich angespannter. Das ein oder andere Mal, musste meine Familie viel Rücksicht auf meine Interessen nehmen.

3athlon.de Welche Gründe sprechen noch für das Elternjahr als Profi?
Frank Vytrisal Ein Grund für die Zeit aus der Schule rauszukommen war der Wunsch auf eine konsequente Hawaiivorbereitung. Ich möchte gerne 6 Wochen nach San Diego, um mich zu akklimatisieren und umfassend vorzubereiten. Das ist mir leider verwehrt, wenn ich das so ausdrücken darf. Die Geburt meines Sohnes möchte ich schließlich live verfolgen. Gesetzt den Fall, ich schaffe die Quali für Hawaii, kann ich mir vorstellen ein paar Tage nach Lanzarote zu fliegen, um mich nach der Geburt dort vorzubereiten. Die Familie geht dann doch vor.

3athlon.de Ist die Geburt ein Thema bei den Sponsoren?
Frank Vytrisal Die Sponsoren sehen es natürlich gerne, wenn ich auf Hawaii starte. Ich cancele den Plan auch nicht. Ich bekomme aber keine Vorschriften, wie ich mich vorbereiten muss. Das überlassen sie mir. Entscheidend ist doch, dass man sich auch im Trainingslager Wohlfühlen, Glücklich sein, immer positiv sein sollte. Das geht nicht, wenn ich 4000 Meilen von meiner Frau getrennt bin, die jederzeit ein Kind bekommen kann.
An Hawaii habe ich noch keine Gedanken versäumt. Am Sonntag muss erst die Quali her, was auch nicht ganz einfach werden wird. Ob ich eventuell dann nach Lanzarote fliege, kann ich mir vorstellen. Details mache ich am Montag nach dem Renntag.

3athlon.de Also bisher Alles richtig gemacht? Wurde das „Rundum-Sorglos-Paket“ gebucht?
Frank Vytrisal Eines merke ich. Die Erwartungshaltung der Anderen und auch von mir selbst ist größer geworden. Ständig werde ich gefragt und mache mir viel mehr Gedanken, als die letzten Jahre. 2007 stand ich bis zum letzten Tag in der Schule, acht Stunden habe ich an etwas komplett Anderes gedacht und dann befreiter aufgespielt. Jetzt wache ich am Morgen auf und denke, dass es nur noch eine Woche bis zum Tag X ist. Der Tag, auf den ich mich ein halbes Jahr vorbereitet habe. Nur für den einen Wettkampf wurde geplant und trainiert. Früher was das nicht so, ich habe schon  mehr Druck. Im Winter habe ich das noch  verneint, aber jetzt merke ich das immer mehr. Wie ich damit umgehen kann, wird sich am Sonntag zeigen. Auch ich werde das dann sehen.

3athlon.de Du schreibst in Deinem Blog, dass Du erstmalig an die körperlichen Grenzen gestoßen bist. Die Umfänge kletterten auf bis zu 33 Stunden in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Konntest Du schon erste Resultate in Leistungstests aus den gesteigerten Umfängen ableiten oder fühlst Du Dich einfach „stärker“?
Frank Vytrisal Meine Trainingsergebnisse in den Einzeldisziplinen sind sehr gut, sage ich jetzt einfach so. Teilweise bin ich tatsächlich am Limit gelaufen. Ich kam gar nicht mehr in die Intensität. Doch seit 4 Wochen ist es wieder gut und es geht wieder. Das leichte Gefühl ist zurück. Aber da ich ein Wenigstarter bin und mich auf ein einziges Event konzentrieren muss, kann ich erst am Sonntag sehen, ob das Mosaik aus den vielen kleinen Bausteinchen zusammenpasst. Die Einzeldisziplinen sind sehr gut. Ob ich davon profitiere sieht man nach siebeneinhalb Stunden, wie die letzte halbe Stunde wird.
Die letzten 15 Kilometer musste ich in Frankfurt und auch auf Hawaii oft auf dem Zahlfleisch zurücklegen. Ich hoffe sehr, dass das nun einfach später kommt oder das erarbeitete Zeitpolster ausreicht. Das kann keine Leistungsdiagnostik oder Training vorhersagen. So eine Leistung kann man nur 1 bis 2 Mal im Jahr abrufen - diese Extremleistung.

3athlon.de Erzähl und doch kurz, wie viel Du in den letzten 2-3 Jahren im Schnitt trainiert hast im Vergleich zu einer typischen Trainingswoche dieser Vorbereitungsperiode.
Frank Vytrisal 2008 - über den Daumen gepeilt -  10 bis 20 Kilometer Schwimmen, auf dem Rad 500 bis 700 Kilometer, im TL bis zu 800. Also vor allem auf dem Rad viel, viel mehr. Im Laufen etwa zwischen 60 und 80 Kilometer. Da war auch mal eine 90er oder 100er Woche dabei.
Im Vergleich dazu die letzten Jahre im Schwimmen deutlich weniger. Etwa  5 bis 12 Kilometer Schwimmen, 400 bis 500 Kilometer beim Radfahren, 50-70km - um den Dreh -  im Laufen. Die Umfangserhöhung auf dem Rad verkrafte ich am besten. Orthopädisch bekomme ich sonst Probleme beim Laufen. Das Radfahren ist sowieso die Schlüsseldisziplin. Einen guten Marathon im Ironman läuft man, weil man das Radfahren gut verkraftet hat und nicht weil man eine Laufkanone ist.
Für nächstes Jahr möchte ich die Laufumfänge über den Winter steigern. Durch die erst im Februar beginnende Elternzeit habe ich es diesen Winter nicht geschafft und im Frühjahr ist es meiner Meinung zu spät solche Umfänge zu setzen.

3athlon.de Die Frankfurter Sparkasse Ironman European Championship gelten als zweitwichtigste Langstrecke der Welt. Du hast in der Vorbereitung lediglich mit zwei kleineren Problemen kämpfen müssen. Zunächst hat Doch im Juni eine kleine Erkältung erwischt und dann ist an Deinem auf Maß gefertigten Zeitfahrrad ausgerechnet die laminierte Sattelstütze abgebrochen. Macht Dich diese Hektik kurz vor dem Rennen sehr nervös, wirft Dich das aus der Bahn?
Frank Vytrisal (lachend): Hättest Du mich an diesem einen  - schwarzen - Wochenende gefragt, hätte ich gesagt „ich starte nicht“. Beides ist an einem Tag passiert. Wegen einer leichten Erkältung wollte ich mich nur 3 Stunden leicht bewegen. Bei der lockeren Radausfahrt habe ich gemerkt, dass die Stütze wackelt und das Rad nicht oder mit sehr großem Risiko fahrbar ist - das sie einfach abbricht.

3athlon.de Du hast also ein neues Rad gefunden, weil es Dein altes Bike nicht als Dutzendware im Schrank gibt? Ist das nun eine dauerhafte Lösung oder ein temporärer Kompromiss?
Frank Vytrisal Das ist eine dauerhafte Lösung. Hier bewahrheitet sich wieder einmal der Spruch vom „Glück im Unglück“. Ich fühle  mich pudel wohl auf dem P3C. Ich habe zunächst versucht die alte Position hinzubekommen und habe dann doch zwei bis drei Sachen geändert. Frankfurt kann kommen, das Bike ist eine ganze Ecke bequemer und ich hoffe ich kann danach lockerer den Marathon anlaufen.

3athlon.de Wann wurden die letzten Einstellungen verändert? Konntest Du das Rad bereits im Renneinsatz testen?
Frank Vytrisal Letzten Samstag habe ich das letzte Setting gemacht. Das Rad bleibt jetzt so. Ich habe am Wochenende ein Einzelzeitfahren  im Rahmen des Heinermann Triathlons mitgemacht. Es ist super gelaufen, obwohl unsere Staffel eine Zeitstrafe von 2 Minuten erhalten hatte.  Ich war zwar 40 Minuten vor dem Start da, wohl aber zu spät um rechtzeitig einzuchecken. Mein Staffelpartner Sebastian Dehmer musste dann besonders schnell laufen.

3athlon.de Ein Blick in die Startliste von Frankfurt lässt einen sehr schnellen und aggressiven Wettkampfverlauf vermuten. Mit einem der Hauptprotagonisten, dem Australier Chris McCormack warst Du nach seiner Ankunft in Deutschland zum Kochen verabredet. Wie macht sich „Macca“ hinter den Töpfen oder hat er sich mehr auf das Essen und die Jetlag-Therapie konzentriert?
Frank Vytrisal  Privat ist McCormack ein sehr angenehmer Kollege, es war ein sehr netter Abend. Er gibt sich ganz anders, als er in den Medien rüberkommt. Das hat man auch gemerkt, als die Kamera an war. Nichtsdestotrotz spielt er  mit den Medien.

3athlon.de Kann man von ihm lernen?
Frank Vytrisal Ich stelle mich nicht auf eine Stufe mit Chris. Er ist körperlich haushoch überlegen. Was das Medienspiel angeht, hat er diese seit Jahren für sich entdeckt und kultiviert sein Image. Ich habe bis vor einem Jahr nicht sehr in den Medien geglänzt. Ich versuche so rüberzukommen, wie ich eben bin. Chris hat da wohl eine andere Auffassung, allerdings lastet auf ihm wie auch den anderen Top-Stars ein ganz anderer Druck. Da muss  jeder Athlet sein Rezept finden.

3athlon.de Ist McCormack „der“ Favorit? Wo siehst Du Dich am 6. Juli, auch im Blick auf die starke nationale Konkurrenz wie Bracht, Stadler, Sultan, Göhner, Raphael, Twelsiek und Böcherer und dem wiedererstarkten Neuseeländer Cameron Brown oder dem Spanier Llanos?
Frank Vytrisal Ich sehe mich auch 2008 wieder als Underdog. Du hast sie eben gerade aufgezählt – die Favoriten… Neben den 5 bis 6 ganz Großen sind 10 bis 12 Leute auf einem Niveau. Sie können es vielleicht alle unter die ersten 5 oder sogar auf das Podest schaffen,  wenn sich einer der großen Namen einen Fehler erlaubt.
Mein Ziel ist die Hawaii-Quali, um Platzierungen kann ich mir noch keine Mühe machen. Alles was besser läuft ist top. Ich muss das Abrufen - ganz, ganz schwierig. Wenn ich nur einen Marathon von 3 Stunden laufe bin ich „ruck zuck“ nicht Dritter, sondern 13. Ich denke es wird ein ganzes dichtes Feld und hochspannendes Rennen werden.

3athlon.de Jedes Jahr folgen die gleichen zwei Fragen: 1. Wie lautete die Renntaktik, bzw. hast Du Varianten im Gepäck?  2. In Prozentpunkten ausgedrückt, wie hoch sind die Leistungssteigerungen zum Vorjahr in den Disziplinen?
Frank Vytrisal  Das Schwimmen wird sicherlich und hoffentlich am einfachsten. Ich versuche die erste größere Gruppe zu bekommen, um am Anfang mit losradeln zu können. Dann muss man sehen: Was sagt der Körper, was sagen die Bedingungen. Man kann nicht sagen, ich nach 120 Kilometern auf dem Rad an und fühle mich völlig beschissen – dann geht das nicht. Nach dem Schwimmen und der ersten Stunde auf dem Rad muss man das intuitiv entscheiden.
Ich vermute, dass die drei Superschwimmer Faris [Al-Sultan], [Jan] Raphael und [Andreas] Böcherer versuchen werden früh eine Lücke zu reißen. Ob der Spanier [Eneko] Llanos mitschwimmen kann, kann ich nicht sagen. Vielleicht reicht es für ihn nicht ganz.

Ich gehe für den Renntag davon aus dass wir ohne Neopren schwimmen und sich wohl alle Profis erneut einen Chloroprene-Schwimmanzug anziehen werden. Am Freitag hatte der Langener Waldsee 22,5°[Celsius], bis Donnerstag soll es 35° werden. Es hängt von den Gewittern ab, wie viele Hagelkörner und wie viel Regend den Weg ins Wasser finden werden.

Ich hoffe, dass ich in der Summe 3 Minuten besser als letztes Jahr bin, dann hätte das zum Sieg gereicht. Allerdings wird diese relative Leistung 2008 nicht ausreichen, weil das Feld zu stark ist. Die Zeiten kann man eh nicht vergleichen. Wir hatten 2007 echte Rekordbedingungen, superschnelle Bedingungen. Es werden sicher insgesamt langsamere Zeiten werden.

3athlon.de Wie bereitest Du Dich auf mögliche Probleme im Rennen vor. Gibt es mentale Übungen oder Planspiele, die Du zuvor durchgegangen bist oder gehen wirst, um mit unvorhergesehenen Herausforderungen oder erwarteten Krisen besser umzugehen?
Frank Vytrisal Im Prinzip lasse ich das Kommen, ich hatte in entscheidenden Rennen noch nie ein technisches Problem. Magenprobleme naja, dann muss man auf Toilette gehen. Ich halte wenig davon, das 1, 2 Stunden mitzuschleppen. Wenn es nötig ist springe ich auf das Dixi und nehme auch ein bis zwei Minuten Rückstand in Kauf. Das ist besser, als abzuwarten und nicht gescheit essen oder trinken zu können.

Ich habe den Vorteil, dass ich meinen Körper ganz gut kenne. Wenn man schnell herausfindet, was die Schmerzen verursacht, kann man auch schnell reagieren. Kopfschmerzen deuten etwa auf Flüssgkeitsmangel hin. Ich habe in meiner Karriere viele erlebt und oft auch nachher Rückschlüsse ziehen können. Trotzdem wirft es einen natürlich zurück.

3athlon.de Welchen Tipp gibst Du Rookies im Ironman auf den Weg?
Frank Vytrisal Geht ganz ruhig an, lasst euch von der Hektik und dem ganzen Adrenalin nicht pushen. Ganz bedächtig und ganz ruhig. Es ist genug Zeit an dem Tag zu forcieren. Mit Ruhe und Gelassenheit -  das gilt nicht nur Altersklassensportler, auch für die Profis.

3athlon.de (lachend): Die sich die ersten zwei Stunden sicherlich den Teufel darum kümmern werden!
Frank Vytrisal (lachend): Das befürchte ich leider auch.

3athlon.de Du wirst voraussichtlich einen Arbeitstag zwischen acht und achteinhalb Stunden haben. Was macht Deine Familie am Renntag?
Frank Vytrisal Die fahren mich zum Schwimmstart hin und verfolgen den mitsamt Schwimmausstieg. Dann fahren sie nach Hause und ruhen sich aus, um es im TV anzuschauen. Die Wege sind für mich ja kurz. Als hochschwangere Frau kann man sich nicht den ganzen Tag an den Straßenrand stellen. An der Strecke habe ich dann genug Freunde und Helfer, die mich unterstützen. Das ist ein zusätzlicher Ansporn in die Kameras zu kommen. Zum Zieleinlauf in Frankfurt ist meine Familie wieder am Frankfurter Römer.
(Kai Baumgartner)

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Website Frank Vytrisal
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Bis zu 33 Stunden hat Frank Vytrisal in der unmittelbaren Vorbereitung auf den Ironman in Frankfurt trainiert.
Foto: Ulihb - 3athlon.de

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Galt bisher in jedem Jahr als Underdog - Frank Vytrisal. Mit Spannung wird erwartet, was der Berufsschullehrer als Triathlon-Profi zu leisten fähig ist.
Foto: Ulihb - 3athlon.de

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