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Nationalmannschaft inklusive - ein kritischer und ironischer Kommentar zur WM in Hamburg.

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"Die meinen halt, das geht nur, wenn man was im Tank hat!" - Faris Al-Sultan im Sportstudio über verbale Eindrücke seiner Betreuer, wenn der 8-Stunden Mann auf Rennstrecken unterwegs ist.





Nationalmannschaft inklusive - ein kritischer und ironischer Kommentar zur WM in Hamburg.


Hamburg – „Werden Sie Mitglied„ - wie ein normaler Werbe-Slogan einer Organisation hört es sich an - allerdings handelt es sich bei der gemeinschaftlichen Ausschreibung der veranstaltenden Agentur und der Deutschen Triathlon Union (DTU) um eine Mitgliedschaft in der DTU-Nationalmannschaft.

Jeder - unabhängig von seinen sportlichen Fähigkeiten kann so einmal das patriotische Gefühl erleben und im Dress der Nationalmannschaft an Weltmeisterschaften teilnehmen.Neben zwei formalen Kriterien galt es als einzige Hürde um an weltmeisterschaftlichen Weihen teilnehmen zu dürfen, das Finishen von zwei Triathlon Wettkämpfen innerhalb der letzten zwei Jahre.

Vom Geldverdienen und gewöhnlichem Narzissmus
Unsere sogenannte Leistungsgesellschaft scheint auch vor der letzte Bastion nicht halt zu machen. Im Sport, wo es um Leistung (citius, altius, fortius) geht - zählt scheinbar weniger die sportliche Performance oder Qualifikation, sondern auch nur das schnellverdiente Geld von Veranstalter und Verband. Für stolze 259 Euro konnte sich im Vorfeld jeder bei den ITU-Weltmeisterschaften und so im Verein und der Öffentlichkeit als Mitglied der DTU-Nationalmannschaft und Weltmeisterschaften (Altersklasse) feiern lassen.

Inflation der Leibchen
Sportler aus anderen Sportarten schauen nur verständnislos nach Hamburg. Üblich ist eine Selektion nach Landes- oder Bundesmeisterschaften und entsprechenden Platzierungen (Top 3 Landesmeisterschaft, Top 5-10 Deutsche Meisterschaft).
Die Inflation der Banalität hat nach Casting Shows, Reality TV und den zumindest streckenweisen amüsanten sportlichen Wettkämpfen eines Stefan Raab einen neuen Meilenstein der Durchschnittlichkeit erreicht.

Noch im Herbst wird der lokale Familienausflug zum Freibad um die Ecke mit Alterklassenathleten garniert, die sich auch für das 10-Minuten Workout ins Nationaltrikot zwängen werden.
Die wirklich ambitionierten Sportler, die sich auch über eine DM oder andere nationale Ausscheidung qualifiziert hätten werden es der DTU danken. Sie werden ihre WM-Leibchen zu den Finisher-Shirts legen, die für das Fahrradputzen gedacht sind. Für positive Außenwirkung haben schließlich schon andere „Triathleten“ gesorgt. Vielleicht eignet sich die Textilie auch als wärmende Zwischenschicht im Winter, wenn  all die anderen „Ausdauercracks“ und „Nationalmannschaftskollegen“ zur  Couch zurückgekehrt sind und die Saison Revue passieren lassen. Die Wertigkeit einer Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft der Alterklassensportler ist mit Hamburg endgültig entwertet - spätestens beim 2. oder 3. Blick.

„Den Präventionsgedanken leben“
Und gerade heutzutage, wo man das Wort Leistung hört - ist die Dopingproblematik nicht weit. Die Dopinggeständnisse und Enthüllungen bei der Tour de France, die Vertuschungen in der Fuentes-Affäre  haben auch die Deutsche Triathlon Union (DTU) und Veranstalter der großen Triathlons aufschrecken lassen.

Mit verstärkten Dopingkontrollen beim Wettkampf zeigt sich mal wieder der übliche Aktionismus mit dem die Verantwortlichen Geldgebern und Zuschauern erfolgreich Sand in die Augen streuen. „Wir müssen den Präventionsgedanken leben“, sagt der DTU-Präsident Dr. Klaus Müller-Ott zu den verstärkten Dopingkontrollen bei den Triathlon-Weltmeisterschaften in Hamburg (Hamburger Abendblatt,  28.August 2007).

Es sollen auch Proben eingefroren werden - hört man sagen. Ob und wie viele genau, scheint selbst der  mit den Tests exklusiv beauftragten NADA (Nationale Anti Doping Agentur) wenige Tage vor dem Event noch nicht so ganz klar zu sein.

Kurze Hebel
Wenn Hämatokrit-Werte und Stimulations-Indizes erreicht werden sollten, bei denen in anderen Ausdauersportarten nur mehr die Schutzsperre greifen würde kann das Anti-Doping-Programm der WM leider nur einen ganz kurzen Hebel ansetzen. Weil das Regelwerk der ITU (International Triathlon Union) keine Schutzsperren vorsieht, kommt nach einer Auffälligkeit die Zielkontrolle mit obligatorischer Urinkontrolle vor Ort zum Zuge.

K(r)ampf gegen Doping
Was soll da getestet werden? Doping in den letzten 2-6 Wochen vor der WM? Das ist wegen der Halbwertszeit oder Undetektierbarkeit aktueller Produkte für den Sportbetrug schwerlich möglich.  Eine Veröffentlichung dieser Werte und Zuordnung zu den Athleten oder Ländern ist ebenfalls nicht geplant. Also daher sind auch keine Sanktionen zu befürchten.

Ebenfalls nicht kommuniziert ist, ob alle 156 Elite-Athleten im Vorfeld getestet werden oder nur ein repräsentativer Querschnitt erfasst wird. 50.000 Euro hat sich der Hamburger Senat den K(r)ampf gegen Doping kosten lassen.

Wer noch während der Triathlon Weltmeisterschaften zu Dopingmitteln greift, sollte besser erst gar nicht nach Hamburg anreisen. Wer das Dopen allerdings beherrscht, wird einerseits zu Mitteln greifen, die sehr schwer oder nicht nachweisbar sind (Insulin, Wachstumshormone, Designer-Steroide) und kann sich beruhigt am Schwimmstart einfinden. Anderseits absolviert er seine Doping-Praktiken, dann wenn Sie am Effektivsten sind - nämlich in der Trainingsphase in den Wochen zuvor und nicht erst wenn der Startschuss fällt.

Chance verpasst
Die eigentliche Frage, die der Verband bzw. Weltverband sich stellen muss: Wie steht es um wirksame Trainingskontrollen - insbesondere der internationalen Triathleten jenseits von Urinproben und Co.? Existiert ein Blutmonitoring-Programm, wie es manche Radteams und private Triathlon-Teams und Veranstalter initiieren und gerade installieren? Und gibt es so etwas wie Zielkontrollen im Trainingsbetrieb mit Blut und Urin, um in den effektivsten Phasen des Trainings zuschlagen zu können?
Der internationale Verband und die DTU als nationaler Ausrichter der WM haben die historische Chance verpasst wirklich gegen Doping vorzugehen und sich auch vom Radsport abzugrenzen. Gute Ideen sind im monotonen Spülgang handfester und realer Machtpolitik weichgespült worden und die Ansprüche im Kampf gegen den Betrug bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft.

Keine Angst vor Dopingkontrollen
Den geständigen  Radprofi-Jörg Jaksche kann man wie folgt zitieren: „Das Letzte wofür sich ein guter Doper fürchtet, sind die Tests der Sportverbände.“ Solange sich nicht etwas an der Teststruktur ändert und einer möglichen Dopingverfolgung (durch Zoll bzw. Strafbehörde) wird sich auch an den Lippenbekenntnissen der Funktionäre und der Dopingproblematik nichts ändern.

Im Interesse der Berufssportler
Gerade bei den sauberen Elite-Sportlern sollte das klare Interesse an einer fairen und die Gesundheit möglichst wenig beeinträchtigenden Ausübung des Berufs groß sein. Manche Athleten deuten hinter vorgehaltener Hand Dinge an, begehren auf, diskutieren. Es  ist von ungewöhnlich langen Höhentrainingslagern mit kleinsten Trainingsgruppen und hoch-intensiven Einheiten die Rede - Namen werden aber nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit genannt. Die Angst vor Repressalien und der Hype im vorolympischen Jahr setzen augenscheinlich die Toleranz- und Ignoranzschwellen in schwindelerregende Höhen.

Alte Fehler wiederholt
Eine Weltmeisterschaft soll den sportlichen Höhepunkt darstellen. In der Altersklasse werden verschiedenste Startwellen auf einen nahezu  flachen Kurs geschickt, der trotz erheblicher Verkleinerung der Windschattenbox in den tatsächlich ambitionierten Klassen für wenig Regelkonformität sorgen dürfte. Auch hier beginnt der Sündenfall mit kleinen Schritten und dürfte für wenig repräsentative Ergebnisse sorgen, bei denen nicht immer der beste Athlet des Tages gewinnen wird: Schlechte Karten für gute Radfahrer.

Noch haben Events und Verbände nicht begriffen oder nehmen es schlicht hin, dass Triathlon keine Laufveranstaltung ist, wo man beliebige Mengen über den Parcours und Meter gebrauchter Pappbecher jagen kann. Draftingmassen waren in diesem Jahr erneut in der Diskussion und werden es wohl auch in Hamburg sein - leider.

Fazit
Was bleiben wird nach der WM 2007 im eigenen Land ist neben zu erwartenden zahlreichen Hamburger Zuschauern am Samstag und Sonntag, guter TV Disposition bei ARD, ZDF und ORF sicherlich großer Sport der Elite-Athleten, Erfolge beim Nachwuchs, gute Geschäfte, Enthusiasmus für den Sport im Breitensport und viele regelunkundige Neueinsteiger.

Genau diese Hobbysportler werden dann 2008 auf die kleinen traditionellen Events in Deutschland, Österreich und der Schweiz losgelassen und wundern sich spätestens dann, dass Triathlon dort ganz anders funktioniert: Man wird trefflich über 10 Meter Windschattenbox, Höhenprofile, den inneren Schweinehund und technisch anspruchsvolle Strecken diskutieren können...

Zu kritisch?
Sicherlich wird der Text nicht allen Athleten gerecht, die sich mit ausreichend Talent und Fleiß gesegnet, langfristig und ehrlich vorbereitet haben. Oder die, die auch nur mal bei einer WM dabei sein wollen - im eigenen Land.

Werden wir damit der WM, den Profis und Altersklassensportlern gerecht? Ist die Momentaufnahme zu pessimistisch? Stört es nicht die unbeschwerte „Brot und Spiele“-Kultur und sollte man nicht die Augen zudrücken und sich mit eigner Stimme in die allgemeine Jubellaune einreihen?
Als kurzes Innehalten ist gerade vor den Hauptrennen am Samstag und Sonntag ein solcher relativierender Kommentar in unseren Augen mehr als gerechtfertigt und sollte als konstruktive Anregung aufgenommen werden.

Es darf bis zur WM 2008 im kanadischen Vancouver geträumt und diskutiert werden und schließlich dauert das Spätsommermärchen noch volle zwei Tage und schön anzusehen ist es immer …
(Kai Baumgartner, inspiriert von und mit Inhalten Ehemaliger)

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29.09. DM Ärzte 2008
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27.09. Mit Betrug zu Silber
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26.09. Achilles' Verse
25.09. Achilles' Verse
26.09. Kommentar III
25.09. Kommentar II
24.09. Kommentar: DTL
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24.09. Kevin's Cancun
21.09. Champ '07: Unger?
21.09. Anti-Doping: Bund
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19.09. IM SUI ausgebucht
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