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Der erste Ironman

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Der erste Ironman - wie man es nicht machen sollte
Wettkampfbesprechung am Samstag Nachmittag: „Der Schwimmstart wird pünktlich um 7 Uhr stattfinden, nicht um 7:05h und nicht um 7:01h!“


11. Juli 2004 - Sonntagmorgen
6:57h, ich renne in den Langener Waldsee! Bloß nicht zu spät kommen! Jede Sekunde kann’s losgehen! Daraus wird aber nichts, wir warten und warten und warten immer noch. Das Wasser hat wohlige 18,5 °C, da wird mir selbst im Neo kalt, bin nicht gerade der Kältetyp. Geschlagene 15 Minuten dauert es bevor wir endlich losgelassen werden. Meine Arme fühlen sich nach dieser Zeit gar nicht mehr nach Sport an.

7:12h, es geht los, ob kalte Arme oder nicht! Der Start ist ziemlich harmlos, ich habe mich ganz recht postiert, auf kürzestem Weg zur ersten Boje. Nach einer Weile kommt dann allerdings das große Feld von links rüber und es gibt ne ziemliche Keilerei.

7:40h, der kurze Landgang ist cool, viele Zuschauer, keine Hektik unter den Teilnehmern. Ich freue mich nicht unbedingt auf die zweite Runde, die Arme fühlen sich gar nicht gut an , alles kalt und hart.

8:12h, nach einer unangenehmen 2ten Schwimmrunde mit vielen Keilereien (2 Tritte auf die Schwimmbrille und einen Kinnhaken habe ich glaube ich bekommen) und schlechten Armen komme ich nach einer Stunde endlich aus dem Wasser. Ich laufe recht zügig in Richtung Wechselzone und habe ob der schwachen Schwimmleistung ziemlich viel Wut im Bauch. Andererseits geht’s ja gerade erst richtig los, also keine Panik! Ich lasse mir relativ viel Zeit, Armlinge und Trikot anziehen, Schuhe ebenfalls schon am Wechselplatz angezogen (in meiner Wechselreihe lag kein Teppich, was ich ziemlich arm finde, entweder in allen Reihen, oder in keiner! Da ziemlich viele Steine und Wurzeln auf dem Weg aus der Wechselzone zu finden waren, ist mir das Risiko für ein paar Sekunden Gewinn beim Wechsel zu hoch) und nach knapp 5min ging’s dann auf die Radstrecke.

8:17h, na klasse, da ich mit den Radschuhen über den Rasen laufen musste sitzt nun Dreck drin und ich komme nicht richtig in die Pedale! Meine Wut steigerte sich wieder in etwa auf das Niveau welches ich beim Schwimmausstieg bemerkt hatte! Vor mir hunderte Leute, das ist gar nicht das was ich mir vorgestellt hatte! Ich flog dementsprechend wie ein Wahnsinniger an den Leuten vorbei, geschätzte 3-5km/h Geschwindigkeitsdifferenz auf die meisten anderen Starter schätze ich mal.

8:36h, 50 Leute habe ich auf den ersten 12km eingesammelt, wenn die nicht die ganze Zeit im Weg gestanden hätten wären’s sogar noch mehr gewesen, ich habe echt Wut im Bauch. Die Beine fühlen sich allerdings super an, ist ja mal was positives. So geht’s dann weiter bis Schöneck. Wenn ich mir die Platzierung nach Runde eins anschaue, dann muss ich bis dort schon etwa 150 Leute überholt haben – auf gut 40km ist das ne ganze Menge. Das Problem dabei: Ich habe in der Euphorie des Überholens völlig übertrieben! Mein Puls ist die ganze Zeit so etwa 20 Schläge zu hoch. Nun siegt doch noch die Vernunft und ich ziehe die Reißleine, bevor ich halbtot vom Rad falle.

10:57h, wieder am Mainkai, viele Zuschauer, viel Jubel, dafür interessiere ich mich allerdings gerade weniger. Eine 50 Mann Gruppe hat mich eingeholt! Sowas mag ich ja gar nicht. Die meisten Leuten wirklich versuchen die Windschattenbox einzuhalten, aber das man in so einer Gruppe schneller vorwärts kommt ist wohl jedem klar. Ich lasse mich langsam durch die Gruppe nach hinten fallen, auf Gruppe fahren hab ich keinen Bock. Am nächsten Anstieg löst sich diese dann allerdings eh in wohlgefallen auf und die (sehr guten) Kampfrichter tuen ihren Job an den Überbleibseln.

13:31h, endlich T2! Die vergangene Radrunde war zum heulen. Ich hatte noch ein paar Ups und Downs, allerdings auch die Ups auf durchweg tiefem Niveau. Die zweite Radrunde war satte 13min langsamer als die erste, obwohl ich schon auf der zweiten Hälfte von Runde 1 das Tempo rausnahm. Das lag zum einen daran, dass ich einfach noch weiter einging und des weiteren an dem stark aufkommenden Wind. Schon in Runde 1 hatte der kräftig geblasen, nun war er zermürbend. In Bad Vilbel ging’s mir dann ziemlich übel, aber irgendwie kam ich diesen Hubbel auch noch hoch. Auf den letzten Kilometern kam dann wieder ne kleine Gruppe angerauscht, genau wie in Runde 1, die leichte Abfahrt lädt natürlich zum lutschen ein, aber wiederum sorgten die Kampfrichter dafür das ich sehr viel Spaß beim zugucken hatte.

Aber wieder zurück zu T2, Rad abgeben, schnell den Beutel schnappen. Ab ins Wechselzelt, ein Mädel hilft mir mit der Sonnencreme, nach 1:03min Wechselzeit auf die Laufstrecke. Ich freue mich richtig auf den Lauf, weiß das ich super in Form bin. Die Beine fühlen sich auch nach dem Rad fahren noch klasse an. Es geht also vorwärts, erster Kilometer in 4:01, upps das ist aber etwas krass! Ich will etwas langsamer laufen, aber irgendwie habe ich mich nur halb unter Kontrolle. Wie schon zu Anfang der Radrunde fühlen sich die Beine einfach zu gut an. Und wieder mache ich den gleichen Fehler und höre auf dieses Gefühl...

13:52h, die ersten 5km hatte ich in 20:44min hinter mich gebracht. Ich denke nur "Junge, bist du bescheuert!" 4:30 war meine Zeitvorgabe, ich war also auf den ersten 5km fast 2min zu schnell gelaufen, dass das nach hinten losgehen wird ist mir klar. Ich laufe langsamer, so etwa 4:45 pro km. Das geht einigermaßen. An jeder Station Wasser und Iso, der Treibstoff reicht so jedenfalls und ich bin zuversichtlich zumindest in etwa diese Tempo halten zu können. Die Laufstrecke mit den viele Zuschauern ist einfach klasse und der Jubel pusht ordentlich. Vor allem, wenn man ein bischen auf die Zuschauer reagiert geben sie alles! Einfach super, quasi kein Streckenteil ohne Zuschauer. Ich sehe Freunde und Verwandte an der Strecke die sich teils die Lunge aus dem Leib schreien, solche Zuschauer sind natürlich noch mal doppelt wertvoll.

14:21h, Peter Reid überrundet mich, "man was läuft der schnell, wenn er das durchhält dann schnappt er Stefan noch" denke ich mir. Ich komme wieder zum Mainkai, ne riesen Menge Zuschauer. Total geile Stimmung. Kurz vorm Wendepunkt kommen dann auch Zäck, de Boom und Brown im Express an mir vorbei. An der Weseler Werft halte ich kurz an um ein Stückchen Kuchen zu essen, bin gerade ziemlich down. Nun geht’s bald auf die zweite Runde und die Laufstrecke ist schon recht voll. An einigen Verpflegungsstationen kommt’s zum Stau, die Leute bleiben stehen um zu trinken. "Was soll das" frage ich mich? Okay, die Antwort ist logisch, sie können’s wohl nicht anders, aber es nervt dennoch und ich habe im folgenden ein paar kleine Crashs zu verzeichnen, da ich gewöhnlich trinke ohne Tempo rauszunehmen. Nach 8 oder 9h Wettkampf ist man vielleicht auch nicht mehr ganz so tolerant. Inzwischen bin ich übrigens auf Cola und Wasser umgestiegen, dazu manchmal etwas Hydro. Es geht mir dann in der Folge eigentlich ganz gut, nur schleppe ich die Hypothek des doppelten Überzockens mit mir rum.

ca. 16:40h, zum letzten Mal am eisernen Steg vorbei. Ich laufe nur noch so vor mich hin, versuche alles zu geben, aber es ist nicht mehr viel zu geben übrig. Ein paar Leute überhole ich dennoch auf den letzten 2km. Auf der Zielgeraden kommen noch mal 2 Leute an mir vorbei, kein schönes Gefühl so übersprintet zu werden, sonst mach ich das immer...

Um 16:54h bin ich dann endlich im Ziel. Ich bleibe 2m nach der Ziellinie stehen, starre vor mich hin. Ein Helfer fragt mich ob ich Hilfe brauche, Sanis kommen mit 'ner Trage angerollt. Ich sage nach ein paar Sekunden nur "Ne, geht schon, aber ne Infusion hätt' ich gern!" Schon kommen zwei Helferinnen und wollen mich wegbringen, so hätte ich fast die Medaille vergessen. Darauf aufmerksam gemacht kommt eines der hübschen Mädels zu mir und hängt mir eine um den Hals. Dabei fall ich ihr fast in die Arme, mein Kreislauf fährt gerade Achterbahn (den Grund mag sich jeder selbst aussuchen ;)). Ich kann mich dann gerade noch an ihrer Schulter festhalten um nicht einfach umzukippen. Nun geht's zum Sani Zelt, da kommt der gerade Holzner raus und ich gehe einfach weg von den beiden Mädels die mich eben noch stützten, um ihm zu gratulieren. Im nachhinein denke ich, dass das für die beiden etwas komisch gewesen sein muss, erst fällt der Kerl fast um, dann läuft er einfach weg.

Im Sani-Zelt werde ich neben Nina Kraft gelegt, mit der ich ein wenig plaudern kann während sie nebenbei auch noch ein Interview gibt. Eine Infusion später geht's mir dann wieder prächtig und nach dem suboptimalen WK holt ich zumindest am Buffet das Maximum heraus...

Fazit:
Was bleibt zu sagen, ich hab so etwa alles gemacht was ich vermeiden wollte. Zu schnell losgeradelt, zu schnell losgelaufen. Woran lag's? Ich hatte nach dem Schwimmen viel Wut im Bauch, es lief einfach nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Arme waren nach der Wartezeit zu kalt. Dennoch wär's unfair jetzt die Schuld beim verschobenen Schwimmstart zu suchen, damit mussten alle klar kommen. Für mich war's zwar vielleicht schädlicher als für andere, aber ich hatte nach dem Schwimmen genug Zeit um mich auf einen Qualifikations-Slot vorzuarbeiten, das ich losfuhr als müsste ich das auf den ersten 40km besorgen ist allein meine Schuld. Die Beine fühlten sich einfach unglaublich gut an und so merkte ich erst nicht das ich zu schnell fuhr. Als ich's dann auch in den Beinen zu spüren bekam, war's schon zu spät. Selbst nach dem verkorksten Radsplit hätte ich aber noch die Quali schaffen können, dass ich dann allerdings loslief als müsste ich alle Leute vor mir auf den ersten 10km einsammeln, war unglaublich dämlich! Für diese Fehler wurde ich ziemlich bestraft und bei betrachten der Pulskurve frage ich mich inzwischen nicht mehr "wieso nur 9:42", sondern eher "wie hast du die Zeit überhaupt noch geschafft?" Umso ärgerlicher, denn die Form für eine wesentlich bessere Zeit war eindeutig da und ich habe sowohl eine bessere Platzierung, als vor allem auch die Hawaii-Quali mit Anfänger Fehlern verschenkt (An dieser Stelle Gratulation an alle die's geschafft haben).

Zum Wettkampf an sich bleibt nur zu sagen, dass die Orga in meinen Augen fast optimal war. Bis auf den Schwimmstart und die teils fehlenden Teppiche in T1 habe ich nur noch den katastrophalen Chip zu bemängeln (da war ich nicht der einzige, das Ding war einfach Müll und tat echt weh). Die Kampfrichter haben ihr möglichstes getan und draftingfreier wird ein IM mit so vielen Startern kaum sein können (okay, mehr Höhenmeter würden noch etwas bringen). Die Strecken sind sehr angenehm, die Radstrecke in jedem Fall sehr schnell und die Stimmung großartig, die Ortsdurchfahrten waren einfach klasse und auf der Laufstrecke ist man nie allein. Ich werde 2005 wieder kommen, dann klappt's hoffentlich auch mit Hawaii. (Tobias Winnemöller)

Links
Herzfrequenzkurve

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Das Ziel platzte auch bei der 3. Auflage aus allen Nähten.
Foto: Dirk Kuypers

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5 Sterne für die Kampfrichter in Frankfurt.
Foto: Christian Saur


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