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"Ich bin so glücklich, vor allem mit der Farbe, die paßt so gut zu meinen türkisfarbenen Fingernägeln" - Wenke Kujala 2002 auf die Frage nach ihrem neuen Cannondale-Rahmen.





Holger 'Holgi' Spiegel ist schon lange Zeit in der Triathlonsezene unterwegs und testet in diesem Jahr erstmalig den Opel IRONMAN Germany Triathlon.

Holgis Logbuch - Montag, 12. Juli 2004
"wir sind die Coolsten wenn wir grooven, wenn wir durch die City düsen, wir sind die Coolsten wenn die süßen Ladies uns mit Küsschen grüßen"

Diese Zeilen sind mir am Sonntag beim Rennen ein paar Mal durch den Kopf gegeistert, denn auch wenn die mit Goldketten behängten, extrem relaxten Rapper die diesen Style getextet haben bestimmt nicht mal ansatzweise eine Idee davon haben, wie sich ein Ironman anfühlt, passt diese Line wirklich gut zum Feeling was beim Opel IRONMAN Germany Triathlon im Athletenhirn aufkommen kann.

Aber fangen wir von vorne an. Ein bisschen Wettkampfgestoned, mit Neoschürfwunden am Hals, aber euphorisch blicke ich heute auf das vergangene Triathlon-Weekend in Frankfurt am Main zurück..

Meine Erwartungen wurden in fast allen Belangen deutlich übertroffen, und ich muss wirklich sagen, dass ich komplett begeistert bin, was hier im Laufe von nur 3 Jahren für ein geiles Rennen auf die Beine gestellt worden ist. Alles ist perfekt organisiert und läuft reibungslos und entspannt. Das ganze Wochenende habe ich keine gestressten Leute gesehen und das gibt es nur, wenn es auf allen Ebenen richtig „smooth“ zusammenläuft.

Bevor jetzt jemand "aber aber" sagt; natürlich gibt es, wie überall, ein paar Sachen die noch besser gemacht werden können und müssen, zum Beispiel der Zugang zum Schwimmstart, der verschoben werden musste, weil sich 2100 Leute unmöglich innerhalb von 20-30 Minuten, auf einem 2-3m breitem Teppich steil bergab zum See quetschen können, und auch die Zuschauer könnten noch etwas zahlreicher aus sich herausgehen, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Die Vorbereitung
Mein Tag begann um 3:40 Uhr standesgemäß mit kalten Spagetti mit Ketchup und 2 Tassen Kaffee. Während der Bus gemütlich Richtung Flughafen juckelte konnte ich einen Blick Richtung Downtown werfen. Der Himmel war leicht bedeckt aber das Licht sah seltsam freundlich aus und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es ein Klassetag werden könnte. In der Wechselzone bestätigte sich der Eindruck, den ich am Samstag bereits bei der Abholung der Unterlagen und bei der Radabgabe hatte: hier läuft alles wie am Schnürchen und es wird an nichts gespart. Standpumpen, so weit das Auge reichte und ganze 40 Toilettenhäuser in der T1 sind ein guter Service den man nicht bei allen Rennen geboten bekommt.

Das Schwimmen
Das Schwimmen war eigentlich die einzige Disziplin, vor der ich Respekt gehabt hatte, aber auch bei einem großen Massenstart kann man sich in diesem See aus der großen Prügelei heraushalten. Am linken Rand des Feldes war wunderbar viel Platz und ich hatte richtig Spaß mal so ganz ohne jegliche Ambition und Zeitvorgabe im "Middle of the Pack" vor mich hin zu cruisen. Beim Landgang nach der ersten Runde herrschte entspannte Plauderstimmung und nach 1:07 hatte es sich dann ausgebadet. Auf dem Weg Richtung Wechselzone hatte ich Probleme an die Neoreißleine zu grabschen, aber kurz bevor ich ungeduldig werden konnte kam ein geistesgegenwärtiger Athlet zu Hilfe, der wie ein geölter Blitz an mir vorbeischoß, in einer fließenden Bewegung meinen Neo öffnete und am Horizont verschwand noch bevor ich mich bedanken konnte.

Das Radfahren - Hommage an das Kampfrichterwesen
Als 700er auf Rad zu hüpfen hat viele Vorteile: zunächst mal kann man eine Menge Leute überholen und bekommt so einen guten Eindruck von der Arbeit der Kampfrichter, außerdem sind das Personal an den Verpflegungstellen, und die Zuschauer schon richtig gut warmgelaufen wenn man vorbeikommt.

Die Verpflegung war perfekt, an zwei Verpflegungsstellen hatte sich die Jungs tatsächlich meine Wünsche aus der ersten Runde gemerkt und hatten in der zweiten Runde alles sofort parat - Wahnsinn!

Das Kampfrichterkonzept mit den Penalty Boxen hat mir auch sehr gut gefallen. Ich denke dass es dadurch möglich ist, dass unheimlich große Starterfeld angemessen unter Kontrolle zu halten. Da wo ich im Feld rumgedüst bin, (ich habe mehr als 400 Athleten überholt und sollte damit auch einen repräsentativen Überblick über das ganze Feld bekommen haben) ging alles, Dank der tatkräftigen Arbeit der Marshalls, recht fair zu.
Unentschlossenen Lutschern die noch nicht wissen, ob sie sich mal wieder an die Regeln halten sollen erleichtert der Anblick von überquellenden Penaltyboxen offenbar die Entscheidung erheblich.

Auf dem bitteren Gegewindplateau vor Bad Vilbel kam dann schließlich doch ein großer Pulk vorbei, begleitet von wenig beneidenswerten 2 Kamprichtern, die in mühsamer Kleinarbeit einzelne Sünder für die Box markierten. Aus eigener Kampfrichtererfahrung weiß ich aber, dass man bei so großen Pulks ohne Gotcha-Wumme, die das Markieren der Athleten auch über größere Entfernungen bei hohen Geschwindigkeiten ermöglicht, einfach machtlos ist. Da hilft nur dranbleiben und langsam aussortieren auch wenn Athleten, die das ganze von Hinten beobachten fast platzen vor Wut.

Alles in allem ein ganz großes Lob an die Kampfrichter und an das Konzept, es ist gelungen das Rennen so fair wie möglich zu gestalten und ich denke dieses Team würde auch in Hawaii das Gelutsche auf den ersten 100km noch mal deutlich reduzieren können.

Für alle die noch nicht in Frankfurt waren, die Radstrecke ist sehr schön, voll gesperrt und ohne Wind auch sehr schnell. Mit vielen langen Flachpassagen genau das richtige für Leute wie mich, die an Bergen nicht so richtig Punch auf Pedal bringen können. Gewarnt sein vor dem Kopsteinpflaster von "the hell", bei über 10bar Reifendruck rüttelt es dort lässig jedes Jetstream leer. Die Radstrecke ist auf jeden Fall einer der Gründe warum ich nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein werde.

Die Laufstrecke
Bei mir lief es auf jeden Fall Supi, 5Stunden 22Minuten und 12 Powergels später durfte ich dann nicht mehr weiterfahren, man gab mir eine Tüte mit meinen Schuhen und es ging zu Fuß weiter.

Die Lauftrecke gefällt mir sehr gut, es wird nicht langweilig, man sieht alle seine Fans und Leidensgenossen ständig an allen möglichen Wendepunkten und kann sich die Zeit mit lustigen Rechenspielchen zu den Abständen zwischen verschiedenen Athleten oder Zielzeiten, vertreiben.
Für mich völlig wieder erwarten stellt auch die hohe Läuferdichte auf der Strecke kein Problem dar, die Verpflegungsteams sind Top drauf und es gibt keine nervigen Schmocks, die glauben es wäre erlaubt den Athleten ihrer Wahl die ganze Zeit mit dem Rad, zu Fuß oder sonstwie zu begleiten. Was ein bissl nervt ist, dass offenbar irgendjemand die Idee hatte es würde gut ankommen wenn man das Kopfsteinpflaster unter einem styligem Teppich versteckt. Also für meine unkoordinierten Füße war das gar nicht gut, denn ich bin ständig auf den unsichtbaren Unebenheiten hin und hergeknickt, andere Athleten aus unserer Redaktion haben hier aber genau andere Eindrücke.

Auch mit den Zuschauern die es überall auf der Laufstrecke zu bewundern gibt hatte ich viel Spaß, und war am Ende echt froh, dass ich mich für den Retrolook mit 70ties Turnhose unter einem weißen Aarhus Triathlon1985 Baumwoll T-Shirt entschieden habe. An den vielen respektvollen Blicken der Zuschauer habe ich gesehen, dass die Leute keinen Bock mehr haben auf hautenge, bauchfrei Tops und Badehosen. Ein bisschen getroffen hat mich allerdings die Tatsache das Oli Hodatsch, eins meiner persönlichen Triathlon Style Idole der frühen 90er (zumindest was das Outfit vor und nach dem Rennen angeht), mein tagelang vor dem Spiegel in Aachen optimiertes Erscheinungsbild auf der Lauftrecke mit den Worten "Mensch Holgi, was ist das denn für ein beschissener Dress" abkanzelte. Egal, ich werde jetzt öfter im Retrolook starten, vielleicht wird ja eine Bewegung daraus in deren Fahrwasser man die guten alten Winschattenfreien Rennen auf allen Strecken mal wieder etwas populärer machen kann. Denn NO DRAFTING ist definitiv original Retro.

Der Athletengarten
Ich weiß nicht ob irgendjemand noch bis hier hin liest, aber die die es tun sollen noch wissen. Im Ziel gibt es Wirpools und nette Girls die einem Bier und Käsebrötchen an die Badewanne bringen und die Wassertemperatur regeln. Sekt hatten die in diesem Jahr nicht, aber ich denke, das Kurt Denk schon daran denkt, und daran arbeitet, spätestens wenn er das hier liest. Ich werde im nächsten Jahr wiederkommen und das überprüfen, bis dahin wünsch ich allen eine gute Regeneration und viel Spaß bei allen Rennen die das so kommen mögen.

Aloha Holgi

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Das Ziel platzte auch bei der 3. Auflage aus allen Nähten.
Foto: Christian Saur

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5 Sterne für die Kampfrichter in Frankfurt.
Foto: Christian Saur


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