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24h: Pastaparty, Szenesprache und der Kaufrausch

07.01. Nachmelden für Ironman EM 2009 in Frankfurt?
07.01. Hamburg Triathlon 2009, Startplatzkontingente werden knapp
06.01. World Triathlon Corporation kauft Ironman Rennen in den USA zurück
06.01. Achilles' Verse
05.01. Deutsche Meisterschaft im Wintertriathlon: Gute Bedingungen in Freudenstadt, Streckenpräparierungen in Kniebis sind angelaufen
02.01. Siegerland-Cup und Triathlon Buschhütten ausgebucht
01.01. Diskussion: "Der olympische Triathlon hat aber nicht den Glanz, einen Hero zu produzieren"
01.01. Red Bull Tour of Sweden  mit Jonas Colting vom 17.-31. Mai 2009
30.12. Achilles' Verse

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"An dem Tag, wo ich Roth und Hawaii gewonnen haben, höre ich sofort auf mit dem Triathlon." - Andreas Niedrig 2001.





Noch 24 Stunden bis zum Start
Es ist Samstagmorgen gegen 6:00 Uhr, das Wetter hat sich merklich gebessert und die Sonne wagt sich durch den mit Wolken durchzogenen Himmel. Sollte es doch noch zu sonnigem und trockenem Wetter reichen? Der Psyche schmeichelt das helle und freundliche Szenario sicher.


24 Stunden und noch immer gilt „Still ruht der See“
Die Aufregung war groß, als in die Stille des ersten Sommerlochs überhöhte Kolibakterienwerte eines Messpunkts des Langener Waldsees einschlugen. Duathlon, Schwimmen im Main oder das bereitwillige Anbieten zur Nutzung umliegender Seen, als Stätte für den Auftakt waren die ersten überstürzten Reaktionen. Man hat sich identifiziert mit dem IRONMAN im Rhein-Main-Gebiet, „seinem“ IRONMAN und die Nachricht ist angekommen.

Die Spekulationen waren riesig: waren es durchziehende Gänse, der kräftige „Sommerwind“ oder unsaubere Strandferkel? Die Wellen haben sich wieder beruhigt über den blaugrün schimmernden Tiefen. Auf dem 40 Meter tiefen Grund interessiert es Niemanden, was das geschäftige Treiben auf der Oberfläche in einem knappen Tag soll. Die Bojen sind gelegt – „Ready for Raceday“.

24 Stunden für die Henkersmahlzeit
Zur Pastaparty waren viele der Starter und Profis anwesend. Geradezu ehrfürchtig lassen sich die Agegrouper gemeinsam mit den Topathleten ablichten. Viele kennen Tim De Boom oder Peter Reid nur aus dem Fernsehen, das in seiner Zweidimensionalität vieles verfälscht und verbirgt.

Drahtig und sehnig sehen sie in ihrer Freizeitkleidung aus. Jens und Polos beherrschen das Bild. Geradezu schmächtig und zerbrechlich wirkt Tim de Boom – IRONMAN Champions stehen mit beiden Füssen auf dem Boden und dürften von Außenstehenden in ihrer Leistungsfähigkeit oft gewaltig unterschätzt werden. Nun gesellt sich ein ehemaliger Footballspieler der Frankfurt Galaxy neben den mehrfachen Hawaiisieger – „ob eine Foto als Erinnerung und ein Autogramm auf seine T-Shirt möglich sei?“ wird er in englischer Sprache fragen.
Die vorletzte Nacht wird für Viele den letzten langen Schlaf bringen. 12 Stunden vor den kurzweiligen Momenten mit Höhen und Tiefen einer unruhiger Prerace-Nacht mit der Zeit den Kopf endgültig auf das Kommende einzustellen.

24 Stunden auf der Expo – kollektiver Kaufrausch und über die Seefahrt an sich
Sie biegt gleich rechts nach der Ausgabestelle der Startunterlagen ab – die IRONMAN Expo. Neben dem offiziellen Fanshop reihen sich die Händler und Dienstleister aneinander auf. Ob Neoprenanzüge diverser Hersteller oder Nahrungsmittel des Event-Sponsors, das wichtigste Utensil für die Auftaktdisziplin ist gefunden. Neue Laufschuhe wären sicher auch ganz nett und warum nicht gleich 2 Paar, dann ist noch mehr Preisnachlass drin – Rabattgesetz sei Dank.

Wenn man es Recht bedenkt, sollte der gestandene Triathlet auch die Funktionskleidung aus südhessischem Hause im Auge behalten. Die wärmeren Oberbekleidungen für die mitteleuropäischen Übergangzeiten gedacht liegen momentan sehr hoch im Kurs. Ähnlich hoch, wie der Stand, an dem Online auf die Sieger und Platzierten getippt und das Startgeld so wieder reingeholt werden kann. Armlinge und Beinlinge sind auch eine faszinierende Einrichtung, selbst der ein oder andere Hawaiisieger hat noch Defizite aufzuholen und verstärkt sein Arsenal für die Schlacht, die ab 7:00 Uhr am Morgen toben wird.

Es sind auch viele Seefahrer unterwegs: Mit Lothar Leder möchte man auch einmal sprechen, auch wenn es bisher nicht sein Jahr war. IRONMAN ist Expo, ist das Eintauchen in das so ganz eigene Flair eines Triathlons über die Langdistanz. „Einfach schauen und mal da gewesen sein“ ist das Motto.

War es bis eben - die Wächterin über das Familienvermögen im Schlepptau kann nur noch machtlos mit ansehen, wie die neue Couchgarnitur in weite Ferne entschwindet: „Schatz, schau doch einmal“ kommt er diplomatisch daher, den vollgepackten Arm durch Abstellen der Tüten entlastend. „Wenn ich dieses Muskelstimulationsgerät nach dem Training nutze, spare ich die eine oder andere Trainingseinheit. Zudem kann ich schneller regenerieren und dir nach dem Sport zu Hause helfen!“ fügt er verschmitzt hinzu und glaubt es in diesem Moment sicher selbst.
In der Tat wird der Familienvater im besten IRONMAN-Alter mit seinen lustigen Lachfalten und den leicht angegrauten Haaren schneller regeneriert sein. Seine Partnerin dürfte ihn bis zum Höhepunkt im Oktober an die nächste Trainingseinheit verloren haben - nach Hawaii soll alles anders werden.

24 Stunden bis Hawaii – das Leben als Nachrücker
In der Endphase des Rennens kann kurz Innegehalten werden – positiv denken, auch wenn es beim Laufen nicht so rund läuft und mehr Plätze verloren gehen, als gewonnen werden.

Am Montag nach der Siegerehrung wird es soweit sein. Die feierliche und nervenaufreibende Vergabe der „Hawaiislots“ steht an. Sie stehen oder sitzen im Festzelt an der Weseler Werft, ein Heer müder Krieger. Humpelnd, ausgebrannt von der langen Nacht nach dem Zieleinlauf und dem Tag voller Glückshormone. Fast wurden sie besiegt in der Schlacht, aber noch verweilen sie auf den Triumph hoffend. Die Hand prüft in kontinuierlichem Rhythmus das Vorhandensein von Passbild und dem kleinen Geldbündel, das als Opfergabe für den Start im Heimatland des IRONMAN gedacht ist.

Ein Ritual, das quälender nicht sein könnte. „Warten auf Godot“ bekommt eine völlig neue Dimension. Viele der Anwesenden interessiert nur eine Frage: Bin ich dabei? Sie haben es sich noch am Rennabend oder bei der Massage ausgerechnet. Haben die auf Basis der Qualifikationszeiten des Vorjahres ermittelte Spannweite einer „sicheren Qualifikation“ ermittelt und im Ziel nicht nur innerlich gejubelt, um nur sofort mit banger Unsicherheit zu zweifeln: „Wird die Zeit reichen? OK, ich bin 4 Minuten über den Eckdaten des letzten Jahres, aber es war kühler und windiger und das Feld erschien mir am Renntag insgesamt auch schwächer. Meine ganze Altersgruppe war sicher gut 5 Minuten langsamer.“

„Sehr gut!“ Zwei Qualifizierte verzichten auf ihren Slot – nur noch 2 Plätze, dann ist die Alterklasse geschlossen, das Ticket für Hawaii muss dann an anderer Stelle gelöst werden. Vielleicht im nächsten Jahr? Der letzte Name wird aufgerufen – Stille. Es folgen der 2. Aufruf und 3. Aufruf - nach einer weiteren langen Pause wird es weitergehen. Jetzt geht es um die Wurst – Sein oder Nichtsein. Finishen ist in den Hintergrund gerückt, es geht um den allerletzten Platz für Kona! Der Nächste in der Liste ist er, er wird sich schnell nach dem Aufruf bemerkbar machen: Whitesands kann kommen!

„Hast du die Quali geschafft?“ fragt ihn Minuten später ein etwas später Eintreffender. „Ja, aber als Nachrücker entgegnet er leise“ und ein bisschen Scham schwingt mit und er ist heilfroh, dass der Fragende einer anderen Alterklasse angehört. Nachrücker riechen nach Hawaii zweiter Klasse. Doch bis zum kleinen Interview mit der Zeitung am nächsten Tag wird sich auch dieser Ton geändert haben. „Für Hawaii qualifiziert? Ja klar!“ (Kai Baumgartner)

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Der Waldsee in Langen wird am Renntag über 10.000 Zuschauer aufnehmen.
Foto: TFrahmS

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Die Expo ist Sammelpunkt triathletischer Glückseligkeit. Schwächephasen werden während des Powershoppings mit Energieriegeln überbrückt.
Foto: Kai Baumgartner

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Das materialisierte Ende der neuen Couch.
Foto: Kai Baumgartner

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Warme Sachen sind der ganz große Renner in den Tagen vor dem Rennen.
Foto: Kai Baumgartner


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