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Kai Hundertmarck und der Triathlon

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"Wenn du beim Ironman überzockst, also 10 min schneller Rad fährst, bekommst du mind. 20 min beim Laufen geschenkt. Die gibt es gratis." - Unbekannter Athlet.





Es fängt schon damit an, dass er noch nie einen Schlauchreifen gewechselt hat. Kai Hundertmarck, der kahlköpfige Mann aus Eppstein im Taunus, fährt seit 27 Jahren Radrennen, doch die groben Kenntnisse fehlen. „Bei Telekom hat man ja alles nachgetragen bekommen“, sagt der 35-Jährige. Neun Jahre im Trikot der Bonner, „da hab ich doch nie ein Rad geputzt vor dem Rennen.“

Diese Woche muss Hundertmarck richtig schrubben, am Sonntag will er als Triathlet den Opel IRONMAN Germany Triathlon bestreiten. „Ein enormer Mehraufwand“, sagt der Neuling. Zwölf Jahre war er Radprofi, dann erlebte er den kalten Schnitt von Telekom-Teammanager Walter Godefroot. Wie die Leidensgenossen Udo Bölts und Jens Heppner vor ihm stand Hundertmarck mit guten Beinen, aber ohne Vertrag da. „Meine Karriere hat zwei Jahre zu früh geendet“, sagt Hundertmarck. Bölts und Heppner heuerten noch einmal bei Gerolsteiner und Wiesenhof an, Hundertmarck ging auf Sponsorensuche für eine neue Karriere: als Ironman-Triathlet.

Sechs Monate brauchte der Familienvater, bis er sechs Firmen beisammen hatte, die sein Abenteuer finanzieren. Hundertmarck hat dafür kräftig die Werbetrommel gerührt, mit markigen Sprüchen. „Ich möchte als Erster vom Rad steigen - mit Bestzeit und inklusive Schwimmen unter 5 Stunden“, hatte er im Vorfeld des Frankfurter Rennens verkündet. Die Ironman-Spezialisten unterdrückten ein Grinsen. Solle der Hundertmarck das doch mal probieren und hintendrauf beim Marathon platzen, wie es so schön heißt.

Kurz vor dem Rennen rudert Hundertmarck etwas zurück „Ich möchte einen 40er Schnitt fahren“, erklärt er, also eine Zeit von 4:30 Stunden für den nicht besonders schnellen 180 Kilometer-Kurs. Im vergangenen Jahr absolvierte Sieger Stefan Holzner die Runde in 4:24 Stunden. „Es wäre natürlich nicht so toll, wenn ich auf dem Rad extrem hinterherfahren würde“, sagt Hundertmarck. Unterwegs hat er verschiedene Posten eingerichtet mit Zeitansagern. Andreas Klier von T-Mobile wird an der Strecke stehen, der ehemalige Profi Jens Zemke, der um die Ecke wohnt, Sportkollegen, die Familie. „Die sollen mir die Rückstände zurufen“, sagt Hundertmarck. Typen wie Holzner, Thomas Hellriegel, Peter Reid, Tim de Boom, Cameron Brown, Normann Stadler oder Jürgen Zäck, die schwimmen alleine fünf Minuten schneller.

Gelinde gesagt hat der Lokalmatador keine Ahnung, was auf ihn zukommt. „Ich erwarte einen Riesenkampf“, sagt er. Tipps vom befreundeten Lothar Leder haben die Angelegenheit etwas durchschaubarer gemacht, „aber ich kann mir gar nicht merken, was man da alles beachten muss“. Hundertmarck hat nie zuvor einen Triathlon bestritten. Im März ist er einen Halbmarathon gelaufen, das war’s. „Die erzählen mir Sachen, dass man beim Schwimmen untergedrückt wird und Schläge auf den Kopf bekommt undsoweiter“, sagt er mit einem Blick zwischen „Ich weiß Bescheid“ und „Ist das wirklich so?“.

Weil er unbedingt nach Hawaii will, hat er sich als Age-Grouper angemeldet, dort ist es leichter einen der Qualifikationsplätze zu ergattern. Ginge es nach den Sprüchen, die sein Trainer Thomas Grossmann im Frühjahr verkündete, hätte Hundertmarck als Profi melden müssen. „Er kommt unter die ersten Drei“, polterte Grossmann – fünf Hawaii-Startplätze gibt es in Frankfurt für Profis. Aber am Main starten die besten Sechs von Hawaii, es ist das seit Jahren bestbesetzte Rennen außerhalb der Pazifik-Insel, vielleicht auch in der ganzen Geschichte des Ironman. Der Sieger wird nach etwas mehr als 8 Stunden im Ziel sein. Hundertmarck kämpft dann seinen Marathon. „Ich hoffe durchzulaufen“, sagt er vorsichtig. „Ich gebe auf dem Rad richtig Gas, und dann sehe ich, wie weit ich komme“, lautet die Taktik. Kamikaze nennt sich so etwas auch.

Der Mann im weißen Renn-Oberteil und einer Hawaii-Blümchen-Radhose wird seinem Herz-Kreislauf-System alles abverlangen. „Ich will unter 9:30 Stunden“, sagt Hundertmarck, „ich will nach Hawaii.“ Im Vorjahr wäre er mit 9:49 in seiner Altersklasse dabei gewesen. Als Amateur passender Weise, denn Hundertmarck bestreitet ja seinen ersten Triathlon. (Volker Boch, Kai Baumgartner)

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Kai Hundertmarck möchte die Qualifikation für Hawaii.
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