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O-Töne
"Vor dem Wettkampf lässt man gerne den anderen den Vortritt, aber im Rennen ist das anders." - Christoph Mauch.
Chris McCormack (AUS) und Nicole Leder (GER) gewinnen den Quelle Challenge Roth mit Top-Laufzeiten. Chris McCormack benötigte 7:57:50 Stunden vor dem Zweitplatziertem Münchener und neuem Deutschen Meister auf der Langdistanz Faris Al-Sultan (Triathlon Team Witten) in 7:58:57.
Dritter wird Timo Bracht (GER) in 8:08:03 Stunden. Der in der Saison mit Verletzungen kämpfende Titelverteidiger zollt seinem Trainingsrückstand Tribut und wird 5. in 8:25:14. Den Titel der Frauen und den Gesamtsieg holt sich Nicole Leder in 9:13:57 Stunden mit einem Marathon in 2:52 Stunden.
Roth – Das Wetter am Vortag hat keine guten Vorzeichen für die Deutschen Meisterschaften bereitgehalten. Heftoge Böen und Regenschauer irritierten zahlreiche Starter und beim Checkin zum Bike war die richtige Kleiderwahl das Hauptthema. Doch bereits am Rennmorgen war davon nichts mehr zu spüren: ideale Rennbedingungen kündigten sich an. Rund 100.000 Zuschauern verfolgten bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen knapp um die 20°C Marke das Rennen der rund 2.100 Einzelstartern und 550 Staffelstartern im Frankenland zu.
Schwimmen
Als schnellster Schwimmer sicherte sich Stephan Sheldrake (NZL) nach 45:33 Minuten im Rhein-Donau-Kanal nicht nur die Spitzenposition, sondern auch eine Geldprämie von 1.500 Euro. Faris Al-Sultan, der nahezu die gesamte Strecke alleine geführt hatte war in der Pressekonferenz nach dem Rennen nicht glücklich über den Rennverlauf im Wasser: „Ich war mir vor dem Rennen sicher, dass sich Stephen die Schwimmprämie sichern würde. Ich wäre nur froh gewesen, wenn er zumindest wenige hundert Meter mitgearbeitet hätte und sich nicht ausschließlich an meine Füße gehangen hätte. Hier spielt sicher auch die Taktik eine Rolle, indem er seinen Landsmann und Rennfavoriten McCormack unterstützen konnte, weil ich die gesamte Arbeit im Wasser leisten musste.“
Somit kamen alle Favoriten deutlich distanziert aber nicht abgeschlagen zwischen 2:30 und 4:00 Minuten nach diesen beiden Athleten aus dem Wasser. Auch die spätere Drittplatzierte Ute Mückel (GER) konnte sich nicht entscheidend von den anderen Damen absetzen: „Ich habe es heute nicht eingesehen, die Pace für die Herren in meinem Schlepptau zu machen, daher war der Vorsprung zu den platzierten Damen nicht so hoch, wie normalerweise.“
Radfahren
Auf der Radstrecke übernahm schnell Faris Al-Sultan die Führung und gab sie bis weit in den Marathon hinein auch nicht mehr ab, konnte seinen Vorsprung sogar auf 6:00 Minuten ausbauen. In der Verfolgergruppe kämpften der Vorjahres-Zweite Chris McCormack, Timo Bracht, Lothar Leder und auch kurzzeitig Stehen Sheldrake profitierten von der Gruppenfahrt. In der zweiten Runde verschärften bei nun aufkommendem Wind Chris McCormack und Timo Bracht das Tempo und zunächst Stephen Sheldrake und später auch Lothar Leder mussten abreißen lassen. „Ich habe mich die erste Runde erst einmal etwas ausgeruht, um dann in der zweiten zu attackieren“ erklärt Chris McCormack. Der Vorsprung wurde von Al-Sultan aber weiterhin konstant bei rund 6.00 Minuten gehalten.
Laufen
Faris Al-Sultan muss seiner Alleinfahrt Tribut zollen und am Anfang der Laufstrecke an der ersten Verpflegungsstelle seinem Körper Nahrung zuführen – ein Hungerast bremst ihn völlig aus. Nach 2 Kilometern hat er sich gefangen, aber bereits hier 4 Minuten seines Vorsprungs eingebüßt. Chris McCormack und Timo Bracht geben weiter kräftig Gas und Timo muss nach km 13 Chris McCormack ziehen lassen: „Ich habe im heutigen Rennen mit Chris McCormack sehr viel gelernt, was Taktik bedeutet. Er ist ein echter Champion.“, so Bracht am Nachmittag.
Chris McCormack war sich sicher, den Sieg in der Tasche zu haben: „Es war ein unglaublich hartes Rennen, ähnlich wie im Vorjahr. Ich habe am Anfang des Laufens gedacht, dass ich Faris schnell einholen könnte. Aber er hat sich immer wieder aufgebäumt und auch ich hatte in der Mitte des Marathons einige Schwächephasen, die den Sieg nicht mehr so wahrscheinlich machten. Ich bin immer schneller gelaufen, konnte die Lücke zu Faris aber nicht entscheidend schließen – die Sekunden fielen nur langsam. Er hat ein wahnsinniges Rennen geliefert.“
Bei Kilometer 34 verlor der 26-jährige die Spitzenposition nach langem Kampf an den Australier McCormack und gratulierte ihm sofort: „Als er bei Kilometer 31 an mir dran war, wusste ich, dass das Rennen um den ersten Platz gelaufen war, da ich mich völlig ausgepumpt und leer fühlte. Ich habe ihm noch auf der Strecke gratuliert und Schadensbegrenzung betrieben.“
Unterdessen sicherte der Dritte Timo Bracht derweil seinen Platz ab und konzentrierte sich auf einen immer stärker auflaufenden Michael Lovato (USA), der noch Lothar Leder die Holzmedaillie abluchsen konnte.
Der Hawaii-Siebte des Vorjahres Al-Sultan hielt sein Tempo und so konnten McCormack als Sieger und Al-Sultan als Zweiter die magische 8-Stunden-Marke erstmals seit 1999 wieder unterbieten. „Mir ist die Zeit unter acht Stunden nicht so wichtig, viel bedeutender ist, dass ich Zweiter und bester Deutscher mit einer starken Rennleistung geworden bin“, sagte Al-Sultan in der abschliessenden Pressekonferenz und 'Macca' kann zwei Ziele auf seiner Aufgabenliste abhaken: 'einen Ironman unter 8 Stunden absolvieren' und der 'Sieg in Roth'. (Kai Baumgartner)
Rennen der Damen
Bei den Frauen kam Ute Mückel nach 50:01 Minuten als Erste aus dem Wasser. Auf der Radstrecke setzten sich nach kurzer Zeit die Australierin Belinga Granger und Heike Funk aus Unterwössen an die Spitze. Die Vorjahresgewinnerin Nicole Leder fand ihren Rhythmus nicht und kam erst als Fünfte vom Rad. Als der Rückstand auf die Führende Belinda Granger zwischenzeitlich fast 20 Minuten betrug, glaubte die Darmstäd-terin nicht mehr an eine erfolgreiche Titelverteidigung. Aber bereits im vergangenen Jahr hatte sie eine phä-nomenale Marathonzeit von unter drei Stunden vorgelegt. In diesem Jahr konnte sie die Zeit noch einmal toppen und lieferte sich ein spannendes Laufduell mit Belinda Granger. „Bei Kilometer 40 habe ich Belinda bekommen – es war der härteste Wettkampf meines Lebens“, sagte die 32-Jährige. (Pressestelle DTU)
Ergebnisse: Quelle Challenge Roth / Deutsche Meisterschaft Langdistanz 2004
3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen
4.7.2004, Roth
Chris McCormack hat in Roth erneut ein taktisch sehr erfolgreiches Rennen abgeliefert.
Foto: Christian Saur
Chris McCormack, Timo Bracht und Lothar Leder beim 2. Anstieg am Solarer Berg.
Foto: Christian Saur
Auch Macca hatte seine Ups and Downs auf dem Marathon.
Foto: Christian Saur
Zwei Positionen sind auf der Todo-Liste abgehakt: "Sub8" und "Sieg in Roth". Foto: Christian Saur
180km alleine auf dem Rad - Faris Al-Sultan.
Foto: Christian Saur
Die Soloflucht kostet viele Körner.
Foto: Christian Saur
2:45:57 reichen im Marathon gegen Chris McCormack nicht aus.
Foto: Christian Saur
Das Ende eines langen einsamen Arbeitstages: " Ich bin noch immer völlig fertig und beeindruckt, wie sich die Leute im Rennen mit meiner Renntaktik solidarisiert und ständig zu weiteren Enregieleistungen getragen haben."
Foto: Christian Saur
Timo Bracht hat sich 2004 viel der taktischen Finesse von Chris McCormack aneignen können.
Foto: Christian Saur
Ab Kilometer 20 hiess es Platz sichern.
Foto: Christian Saur
Michael Lovato konnte mit einem guten Marathon Lothar Leder überlaufen.
Foto: Christian Saur
Lothar Leder kann mit Trainingsrückstand diesem kleinen und feinen Topfeld nicht viel entgegensetzen, seine Platzierung ist aller Ehren wert. Er wird sich die Qualifikation für Hawaii beim Half IRONMAN UK holen.
Foto: Christian Saur
Nicole Leder musste am Rad den ganzen Tag beißen: "Es lief einfach unrund und zwischenzeitlich habe ich mich mit dem Finishen und keinem Platz unter den Top 3 abgefunden".
Foto: Christian Saur
2:52km sind eine Fabelzeit für den Marathon und unterstreichen mit den Ergebnissen anderer Läufer die extrem schnelle 3. Disziplin in Roth: eine offizielle Vermessung kann dies nach dem Umzug auf den Festplatz nur unterstreichen.
Foto: Christian Saur
Unfassbar - Nicole Leder mag es selbst nicht glauben: aus dem Tief am Rad auf den Rother Olymp: "Bei Kilometer 40 habe ich Belinda bekommen – es war der härteste Wettkampf meines Lebens."
Foto: Christian Saur
Belinda Granger hat die mit Abstand beste Radzeit des Tages bei den Frauen und lässt hier Heike Funk hinter sich.
Foto: Christian Saur
Ein solider Laufsplit reicht 'nur' für Platz 2: "Ich bin im nächsten Jahr wieder dabei!"
Foto: Christian Saur
Ute Mückel war für viele die Überraschung des Tages - ein Trainerwechsel hat vor allem im mentalen Bereich für neue Stärke gesorgt.
Foto: Christian Saur
Sie war noch nicht einmal zur Pressekonferenz vor dem Rennen geladen und hat dem Veranstalter durch ihr Rennen und in einem freundschaftlichen Gespräch gezeigt, dass sie zur nächsten PK im Jahr 2005 sehr wohl eine Einladung bekommen sollte.
Foto: Christian Saur
"Ich werde mein letztes Rennen über die Langdistanz in Roth machen, aber von einem Abschied kann jetzt noch lange nicht gesprochen werden, vor allem da es wieder besser läuft. Ich entscheide dies von Jahr zu Jahr, auch wenn mich meine Eltern seit 3 Jahren immer wieder fragen".
Foto: Christian Saur
Heike Funk kommt auf Platz 4.
Foto: Christian Saur
Heidi Jesberger ist sicher eine der wenigen momentan auf der Langdistanz aktiven deutschen Damen mit Perspektive.
Foto: Christian Saur