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Erlebnisbericht Leistungsdiagnostik ::



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Erlebnisbericht Leistungsdiagnostik


Für die einen hört die Saison auf - für die anderen fäng die Saison bereits schon wieder. Mike Eiting war bei Medico Sport in Essen und hat sich einer Leistungdiagnostik unterzogen. Wie es ihm ergangen ist, schildert er für 3athlon.

Bei jedem Spinningkurs und jeder Trainingseinheit mit den Triathlonkollegen sieht man sie - die Pulsmesser. Das ständige Aufblinken der geheimnisumwogenen Werte oberhalb der 100er Grenze soll uns zeigen, wie wir am effektivsten trainieren können? Aber wie genau funktioniert das? Sind das vielleicht nur Gameboys für die Stunden abseits des geliebten Sofas, oder Statussymbole, deren Träger sie den Glanz eines ambitionierten Sportlers verleihen sollen?

Beim Stöbern in einschlägiger Literatur merkt man schnell, dass etwas mehr dahinter stecken muss. Und wenn selbst Mister Perfekt Lance Armstrong nach Pulswerten trainiert, kann das doch dem ambitioniertem Triathleten sicherlich nicht schaden. Aber wie komme ich auf die individuellen Werte? Klare Kiste - eine Leistungsdiagnostik. Ich hab´ja auch im Fernsehen schon mal Thomas Hellriegel oder Jan Ullrich bei so einem Leistungstest gesehen. Die sahen ganz schön unentspannt aus. Aber spätestens nach dem grandiosem Comeback des Wunderfahrers Ullrich ist für mich klar. So einen Test muss ich auch mal machen. Vielleicht hilft mir der auch von "zu dick und außer Form" zu "drahtig und austrainiert".

Hab also gleich mal einen Termin bei Medico-Sport in Essen gemacht. Die Trainingsaufzeichnungen eingepackt, das Rad noch mal geputzt, bzw. vom Staub befreit, und schon geht es los. Noch schnell die Kirsten mit den Ruhrgebietskarten auf den Beifahrersitz platziert und ab. Trotz des mäßigen Navigationssystems sind wir pünktlich da. Sogar zu früh. Welch Wunder! Die Örtlichkeiten im St. Josef-Krankenhaus mit all den High-Tech-Geräten und Computer vermitteln schnell eine beeindruckende Professionalität. Bin ich hier überhaupt richtig? Ist es für einen ambitionierten Hobbysportler nicht übertrieben, solche Test durchzuführen?

Im einleitenden ausgiebigen Gespräch beruhigt mich der Trainingswissenschaftler Sven Heupel und erklärt mir, das es für egal welche Leistungsklasse sinnvoll ist, mit einem Pulsmesser und nach den persönlichen Pulswerten zu trainieren. Die Trainingsziele können so einfach viel leichter und zeitsparender erreicht werden und das Risiko der Überlastung sinkt beträchtlich. Dann werde ich nach meinen Trainingsaufzeichnungen gefragt. Tja, für jeden Heimlichtrainierer eine der am meisten gefürchtetsten Fragen. Aber es ist ja zum Glück kein Vereinskollege dabei. Sven, auch Triathlet und mehrfacher Ironmanfinisher, schaut sich dann ausgiebig meine Aufzeichnungen an und stellt Fragen bezüglich Bestzeiten, Zielen, Ambitionen und Plänen für die kommende Saison. Dann führt er mich ein in die magische, geheimnisvolle Welt der Trainingssteuerung. Schnell wird mir klar, dass hier sehr präzise und wissenschaftlich analysiert wird. Nach diesem sehr informativem Gespräch dann der nächste Schock. Fettmessung! Wie schon gesagt: zu dick und außer Form! Aber 14 % sind ja noch im Rahmen.

Dann ist es soweit. Mein Rad ist auf dem Ergometer eingespannt, der Pulsmesser angelegt, der Ventilator auf höchster Stufe eingestellt, und ich heiß darauf, zu zeigen, was ich kann. Aber kaum sitze ich auf dem Rad, hab ich auch schon die erste Nadel im Ohr, denn vor der Belastung und nach jeder Belastungsstufe wird das sich im Blut nachweisbare Laktat untersucht. Dieses zeigt an, wie hoch die Milchsäurekonzentration in den Muskeln ist. Das ist wichtig, um zu sehen, wie meine Muckis und ich den ganzen Spass verkraften. Parallel zum Test wird ständig meine Herzfrequenz, also mein Puls, kontrolliert und protokolliert.

Es geht los. Mit 80 Watt Widerstand. Fünf Minuten lang, wie jede der in 40 Watt Schritten gesteigerten Belastungsstufen. Nach jeder Stufe dann wieder der Stich ins Ohr. Nun, 80 Watt geht ja noch, 120 Watt ist doch auch noch machbar. Ich weiß gar nicht, warum sich der Ulle und der Thomas da immer so quälen. Aber das werde ich bald erfahren. Ein paar 5-Minuten-Schritte weiter wird mir langsam klar, auf was ich mir hier eingelassen habe. Es wird immer schwieriger, die 85 bis 95er Trittfrequenz einzuhalten. Und dann die dummen Sprüche von Kirsten. Schon bei achtzig Watt fing die an mit: "Sieht noch gut aus, die Stufe schaffst du!" Vielleicht hätte ich ihr kartenleserisches Talent nicht in Frage stellen sollen. Aber bald sind mir auch die dummen Sprüche egal.

Jetzt habe ich genug damit zu tun, die 5-Minuten durchzuhalten. Die werden immer länger und mein Atem immer kürzer. Auch wackelt mein Oberkörper immer mehr. Sven erklärt mir, das dies auf eine nicht genügend starke Rücken- und Bauchmuskulatur zurückzuführen ist. Um dies zu verdeutlich, stabilisiert er meinen Rücken. Das Treten fällt mir merklich leichter. Mist, muss ich auch noch Krafttraining machen. Aber da denk ich jetzt besser nicht dran. Bis es nicht mehr geht soll ich in die Pedalen treten. Aber wenn es am schönsten ist, soll man ja auch aufhören. Bei mir bei einem Puls von 191 Schlägen pro Minute und der Gewissheit nicht mehr so richtig entspannt auszusehen. Jetzt schön absteigen, und `nen Schokoriegel essen. Leider besteht Sven darauf, dass ich mich ausfahre und er sehen kann, wie gut ich mich nach einer Maximalbelastung erhole. Na ja, so vermeide ich wenigsten den Muskelkater am folgenden Tag.

Nachdem ich geduscht bin, gehen wir dann gemeinsam meine Ergebnisse durch. Trainingsexperte Sven erklärt die auf den ersten Blick doch verwirrenden Tabellen und Diagramme der ersten Auswertung und zeigt mir, wo meine aerobe und wo meine anaerobe Schwelle liegt. Eine Laktatkurve verläuft unterhalb der dazu passenden Herzfrequenzkurve. So kann man genau sehen, wie hoch mein Puls bei bestimmten Laktatkonzentrationen ist. Die Trainingsbereiche sind schnell ausgemacht. Dann besprechen wir mein zukünftig an diesen Werten orientiertes Training. Da die Pulswerte beim Laufen aufgrund der anderen Belastungen von denen auf dem Rad abweichen ist es sinnvoll, auch einen Test auf dem Laufband zu machen. Was, noch mal so quälen? Aber wenn schon, denn schon. Ich möchte ja möglichst zielgerichtet trainieren.

Eine Woche später ist dann auch diese Qual überstanden und ich werde mit einem sehr detaillierten und genau auf meine Schwächen und Ziele ausgerichteten Trainingsplan belohnt. Darin sind nicht nur meine Pulswerte berücksichtigt, sondern auch mein Urlaub, Prüfungen etc. werden beachtet.

Mein Fazit:
Die Leistungsdiagnostik hat sich wirklich gelohnt. Nicht nur, dass ich weiß, welche Trainingsbereiche bei mir noch Defizite aufweisen, ich habe nun auch die Möglichkeit, gezielt gegen diese Defizite vorzugehen. Sicherlich ist der Spass nicht ganz günstig. Stellt man aber die aus den neuen Erkenntnissen resultierende Effizienz des Trainings den Kosten gegenüber, so hat man sein Geld gut investiert. Das holt kein Laufradsatz oder Neoprenanzug raus, was man durch gezieltes Training erreichen kann.

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(Tour-Magazin):
Basiswissen Leistungsdiagnostik
Das müssen Sie über Laktattests wissen
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