O-Töne
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"Das drückt nicht so sehr, weil ich viel Druck auf die Pedale bringe." - Faris Al-Sultan im ZDF-Sportstudio auf die Frage, ob das Fahren mit Badehose auf dem Rad nicht schnell Schmerzen bereiten würde.
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Rhein
Neckar Zeitung – „Sportler
im Gespräch“
RNZ: Timo Bracht, Sie haben am 21. Juni
in Frankreich zum ersten Mal in Ihrer Laufbahn einen Ironman-Wettkampf gewonnen.
War das der Durchbruch in die Weltspitze?
Timo Bracht: Ja, denke ich schon. Vor allem die Endzeit von 8 Stunden und 33
Minuten auf dem schweren Kurs in den Vogesen zeigt mir das ich auf einer schnelleren
Strecke auch an die Besten der Welt Anschluß halten kann.
RNZ: Sie sind einer der wenigen Deutschen, der einen Ironman-Wettkampf
gewonnen hat.
Muss man Sie jetzt in einem Atemzug mit den ganz Großen des Triathlons
nennen?
Timo Bracht: Mit Lothar Leder, Zäck oder Hellriegel genannt zu werden, ehrt mich
natürlich. Die waren aber in der Vergangenheit viele Klassen besser und
haben auch sehr viel für die Publicity im Triathlonsport getan. Zu denen
habe ich jahrelang aufgeschaut und sich jetzt im Wettkampf zu messen ist eine
große Herausforderung. Mein Vorteil ist, dass ich jung bin und noch vieles
vor mir habe.
RNZ: Im Juli fanden zwei bedeutende Triathlon-Wettbewerbe in
Roth und in Frankfurt
statt. Hätten Sie bei diesen Veranstaltungen auch ganz vorne landen können?
Timo Bracht: Hinterher kann man leicht spekulieren. Jedes Ironman-Rennen ist kompliziert
und mitunter kommt es auf Kleinigkeiten an. Es muss einfach alles zusammenpassen.
Einen Platz unter den ersten Sechs hätte ich mir aber schon zugetraut.
RNZ: Wie sehen Ihre Chancen beim Ironman Hawaii nach vollbrachter
Qualifikation?
Timo Bracht: Ich will in Kona endlich einmal ohne die große Angst vorm „Kaputtgehen“ durchkommen.
Auf dem Rad ist mein Ziel, mich zu zeigen. Meine Marschroute für Hawaii
ist eine Platzierung unter den 20 besten Triathleten der Welt.
RNZ: Was sind Triathleten eigentlich für Typen?
Timo Bracht: Ich denke vom Grundmuster haben Spitzentriathleten die gleichen Charaktereigenschaften
wie andere Spitzensportler. Vielleicht ist die Willenskraft und das Durchhaltevermögen
noch stärker ausgeprägt, ähnlich wie bei Radsportler die im Endeffekt
auch auf sich alleine gestellt sind.
RNZ: Wie sind Sie eigentlich zum Triathlon gekommen?
Timo Bracht: Ich war früher Skispringer und Skilangläufer. Mit 16 ging das
leistungsmäßig nicht mehr richtig vorwärts und so fing ich an,
Laufwettkämpfe zu bestreiten. Mein damaliger Trainer und jetziger Kumpel
Gregor Haslberger brachte mich dann zum Triathlon. Er sagte: „Nutz dein
Talent streng Dich richtig an, trainiere clever und in zehn Jahren bist Du Weltspitze“.
Das war 1993.
RNZ: Was bringt einen gesunden, gebildeten Menschen dazu, sich
den Strapazen und Schmerzen
eines Triathlons auszusetzen?
Timo Bracht: Fragen Sie am besten nie nach dem Warum. Verstehen kann ein Außenstehender
das sowieso nicht. Natürlich ziehe ich persönlich sehr viel Motivation
aus der Freude an der Bewegung, dem Naturerlebnis und den Erfolgen.
RNZ: Sie genießen also die Natur, während Sie an
Ihre Leistungs- und Schmerzgrenze
gehen?
Timo Bracht: Beim Wettkampf schaut man sich natürlich nicht die Gegend an, aber
es gibt schon viele Trainingseinheiten bei denen ich die Natur sehe und spüre.
Durch das Ganzjahrestraining draußen ist man hautnah dran an den Jahreszeiten,
auch wenn es dann nicht immer viel Spaß macht im Winter spätabends
bei kaltem Wind und Nieselregen noch mal 20 km alleine zu laufen.
RNZ: Bei Ihrem Ironman-Sieg in Frankreich haben Sie 8 Stunden
und 33 Minuten gebraucht.
Sie standen also länger als einen Arbeitstag unter extremer körperlicher
Belastung. Wie oft denkt man da ans Aufgeben?
Timo Bracht: Niemals: In Frankreich war ich mental so stark wie nie zuvor. Selten
spürte ich eine so große innere Kraft in mir. Es ging immer vorwärts
und mir fiel alles sehr leicht.
RNZ: Wie erklären Sie sich das?
Timo Bracht: Das war ein perfekter Tag, wie ich ihn auch nur eins, zweimal im Jahr
erlebe. Ich war auf den Punkt topfit, vielleicht hätte es ein Tag später
schon nicht mehr so gut geklappt. Genau deshalb probiere ich mich auch immer
perfekt, auf den Tag genau vorzubereiten. Mental, ernährungstechnisch und
vorallem trainingsmethodisch.
RNZ: Was geht während eines Triathlons in Ihnen vor?
Timo Bracht: Wenn es richtig gut läuft, sehe ich mich oft von außen. Ich
kann meinen Körper steuern, so wie ich gerade will. Wenn es nötig ist,
werde ich schneller oder langsamer. Sonst sind die Gedanken komplett bei dem
Wettkampf. Ich überlege zum Beispiel, wie die Rennsituation zu bewerten
ist, wie groß die Abstände sind, wann und was ich als nächstes
trinken sollte.
RNZ: Klingt ja relativ entspannt. Da könnten Sie ja auch mit Walkman und Musik
oder Hörbuch laufen.
Timo Bracht: Nee, nee so leicht geht es dann auch nicht. Der Körper steht unter
einer unheimlichen Anspannung und es gibt nur wenige Gedanken, auch während
acht oder neun Stunden.
RNZ: Was ist schwieriger auszuhalten, die körperliche Belastung oder die mentale
Anstrengung während eines Wettkampfs?
Timo Bracht: Wenn ich mental stark bin, bin ich auch körperlich stark. Dann kann
wenig passieren. Die Schmerzen in den Beinen, gerade beim Laufen, sind manchmal
aber schon unerträglich.
RNZ: Was kann man dagegen machen?
Timo Bracht: Training, Training und nochmals Training. Im Wettkampf gibts dann nur
nur noch eins, weiter vorwärts die Geschwindigkeit nicht drosseln und die
Schmerzen verdrängen.
RNZ: Wie viel Kilo Körpergewicht verlieren Sie bei einem
Wettkampf?
Timo Bracht: Wenn ich mich optimal verpflege, sehr wenig, so ein bis zwei Kilo.
RNZ: Wie ernähren Sie sich während eines Triathlons?
Timo Bracht: Beim Ironman verliere ich etwa 9000 Kalorien. Das kann man natürlich
nicht alles wieder auffüllen. Den Großteil nehme ich in flüssiger
Form zu mir. Ich trinke fünf bis sechs Liter Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränke
und beim Marathon zusätzlich Cola. Sonst verzehre ich noch PowerBar-Riegel
und flüssige Kohlenhydrat-Gels, am liebsten mit Vanillegeschmack.
RNZ: Und worauf achten Sie bei Ihrer Ernährung während
der normalen Trainingsphase?
Timo Bracht: die Grundlage meiner Ernährung ist eine ausgewogene, bedarfsangepaßte
und vollwertige Mischkost. Zusätzlich trinke ich Eletrolytgrtränkr
und nehme Vitamine zu mir. Ein Gelatine Trink gehört zum Frühstück
dazu und hält meine Gelenke fit und schützt mich vor Überlastungen.
RNZ: Sie haben Sportwissenschaft studiert und müssen es
daher besonders gut wissen:
Ist Triathlon in der extremen Form gesund?
Timo Bracht: Was heißt gesund? Als Sportler legt man sehr viel Wert auf einen
gesunden Lebensstil. Man pflegt den Körper und gibt ihm auch die nötige
Zeit zur Regeneration.
RNZ: Können Maximalbelastungen während eines mehr als 8- oder 9-stündigen
Wettkampfs also nicht zu langfristigen Beeinträchtigungen führen?
Timo Bracht: Mir geht es schon nach ein paar Tagen schon wieder sehr gut. Außerdem
bin ich optimal vorbereitet und pro Saisons stehen auch nur zwei Ironmans auf
dem Programm. Also keine Angst vor Beeinträchtigungen.
RNZ: Wie hoch ist Ihr Trainingsaufwand?
Timo Bracht: In Spitzenphasen so 25 bis 30 Stunden reine Trainingszeit in der Woche.
Im Durchschnitt trainiere ich aber selten mehr als 20 Stunden in der Woche, also
bedeutend weniger als die Konkurrenz.
RNZ: Wie hoch liegt der Schnitt bei den Konkurrenten?
Timo Bracht: Da muß man Die fragen, es gibt aber auch verschiedene Theorien
die zum Erfolg führen, die Mischung zwischen Qualität und Quantität
muß stimmen.
RNZ: Wie sieht eine typische Trainingswoche in der Ironman Vorbereitung
bei Ihnen
aus?
Timo Bracht: Montags spät abends 13 Kilometer laufen in 50 Minuten. Am Dienstag
fahre ich drei Stunden Rad mit Bergintervallen auf einer Strecke von 100 Kilometern.
Dazu schwimme ich drei Kilometer und laufe eine Stunde locker. Am Mittwoch stehen
vier Stunden mit dem Rad auf welligem Gelände über 130 Kilometer auf
dem Programm. Donnerstags geht es fünf Stunden aufs Rad (fast Renntempo),
wobei 170 Kilometer zurückzulegen sind, außerdem schwimme ich noch
drei Kilometer. Der Freitag ist mein Ruhetag. Am Wochenende wird ganz normal
trainiert. Der Samstag beginnt mit einem 30-Kilometer-Lauf in welligem Gelände über
eine Dauer von zwei Stunden, danach schwimme ich noch drei Kilometer. Und sonntags
fahre ich vier Stunden Rad auf bergiger Strecke im Renntempo, da kommen 130 Kilometer
zusammen. Anschließend laufe ich 10 Kilometer in 40 Minuten. Die speziellen
Einheiten die die Topform bringen bleiben geheim.
RNZ: Wie viel ist Talent, wie viel macht das Training aus bei
einem Spitzentriathleten?
Timo Bracht: Talent ist ein weiter Begriff. Natürlich sind sportliches Talent
und die nötige Muskelfaserstruktur eine Grundvoraussetzung für Spitzenleistungen.
Neben dem Training ist das optimale Umfeld nicht zu unterschätzen.
RNZ: Sie betreiben eine extrem zeitintensive und körperlich
anstrengende Sportart.
Was motiviert Sie dazu?
Timo Bracht: Wie schon gesagt: Ich freue mich auf die Wettkämpfe und will Erfolg
haben. Ganz wichtig ist für mich der Spaß an der Bewegung und der
Reiz, immer schneller zu werden, ohne zu ermüden.
RNZ: Ihre stärkste Disziplin ist das Radfahren. Hätte
Ihr Talent nicht ausgereicht, um beispielsweise das Niveau eines Tour-de-France-Fahrers
zu erreichen?
Timo Bracht: Weiß ich nicht. Ich bin Triathlet und froh, nicht in den Mühlen
des Profiradsports mit all seinen Vor- aber auch Nachteilen zu sein.
RNZ: Sie starten zwar bei den Profis, üben aber im Gegensatz zur Mehrheit Ihrer
Konkurrenten daneben noch einen Beruf aus als Trainer in einem Eberbacher Gesundheitsstudio.
Lässt sich das überhaupt sinnvoll vereinbaren?
Timo Bracht: Geht so. Bisher konnte ich alles prima aufeinander abstimmen. Ich habe
in Eberbach kurze Wege und meine Hauptarbeitszeit liegt in den Abendstunden.
Was die Zukunft bringen wird, weiß ich noch nicht.
RNZ: Können Sie mit dieser Doppelbelastung dauerhaft in
der Triathlon-Weltspitze
mithalten?
Timo Bracht: Um weiter nach vorne zu kommen, muss ich mir sicher was einfallen lassen.
RNZ: Welche Optionen gibt es?
Timo Bracht: Der Schritt zum Vollprofi geht natürlich nur wenn die Sponsoren
dementsprechend mitziehen.
RNZ: Gute Profi-Fußballer haben nach einigen Jahren finanziell ausgesorgt. Geht
es den Top-Triathleten ähnlich gut?
Timo Bracht: Im Triathlon verdienen weltweit etwa zehn Sportler richtig viel Geld.
Sonst sieht es eher mager aus. Das liegt natürlich an der Medienpräsenz.
Von der Leistung her müssten wir ja ordentlich verdienen.
RNZ: Was kann ein Spitzentriathlet verdienen?
Timo Bracht: Bei Wettkämpfen verdienen nur die absoluten Spitzenleute. Bei einem
normalen Ironman bekommt der Sieger 10.000 US-Dollar (Hawaii 150,000), das so
viel wie der dritte bis zehnte zusammen. Die finanzielle Basis bilden deshalb
die fixen Sponsoren.
RNZ: Wer fördert und unterstützt Sie?
Timo Bracht: Mein Hauptsponsor ist Gelita, der weltgrößte Gelatinehersteller
mit Sitz in Eberbach. Da habe ich auch eine professionelle PR-Agentur, die für
nationale und internationale Promotion sorgt. Daneben sind noch die Materialsponsoren
und nicht zuletzt mein Verein, das Soprema-Team MTG Mannheim, zu nennen.
RNZ: Können Sie allein von den Einnahmen aus dem Triathlon
leben?
Timo Bracht: Ich muss abwarten, wie sich das alles weiter entwickelt. Ich habe eine
junge Familie und muß auch an die Zukunft denken. Alleine Triathlon reicht
bisher noch nicht.
RNZ: Triathlon ist in den vergangenen Jahren deutlich populärer
geworden. Sind
Sie mit dem Medieninteresse zufrieden?
Timo Bracht: Regional ist das Medieninteresse in Ordnung. In Funk und Fernsehen könnte
aber schon noch mehr laufen. Ich hoffe, dass die Deutsche Triathlon Union endlich
einmal kapiert, dass das „Produkt Triathlon“ mehr ist als Schwimmen,
Radfahren und Laufen. Man muss die breite Masse sensibilisieren und die interessieren
sich nicht nur für Verbandssportler die sich im vier Jahres Zyklus auf einen
olympischen Wettkampf vorbereiten.
RNZ: Opel ist als Sponsor ganz groß in den Triathlon eingestiegen
und hat sogar ein eigenes Team aufgebaut. Wann werden wir Sie im Opel-Trikot
schwimmen, radeln
und laufen sehen?
Timo Bracht: Ich fühle mich bisher im Gelita-Trikot sehr wohl. Natürlich
ist darauf auch noch Platz für weitere Logos.
RNZ: Blicken Sie mal über den Tag und über das laufende Jahr hinaus: Wenn
wir uns in fünf Jahren wieder zum Interview treffen, welche Erfolge wird
der Triathlet Timo Bracht dann erzielt haben?
Timo Bracht: Ich werde auf Hawaii bestimmt noch ein paar mal glücklich und zufrieden,
aber total kaputt über die Ziellinie laufen. Ansonsten ist alles offen.
Ich will mich in den nächsten Jahren ganz vorne zeigen und will in Zukunft
zu den drei Top-Triathleten auf der langen Distanz in Deutschland gehören
und unter den zehn Besten der Welt beim Ironman Hawaii sein.
Immer häufiger
versuchen sich auch Freizeitsportler im Triathlon. Sieben Tipps von Timo Bracht,
worauf sie bei einer Vorbereitung
achten sollten.
1. Nicht einfach wahrlos drauflostrainieren. Der optimale Wechsel von Belastung
und Erholung ist entscheidend. (z. B. 2Tage Training, ein Tag Ruhe).
2. Ziele setzen und beim Weg dorthin nie den Glauben an sich verlieren.
3. Beim Schwimmtraining immer Techniktraining einbauen, und auf eine stromlinienförmige
Wasserlage achten. Lieber öfter und dafür weniger schwimmen.
4. Das Radtraining ist das wichtigste Training. Hier kann am gelenkschonendsten
die Grundlagenausdauer trainiert werden. Am Anfang des Jahres viel flache und
wellige Kilometer fahren und wenn sich die Beine besser fühlen auch mal
kleine Privatrennen alleine gegen die Uhr einbauen. Am besten auf ähnlichem
Profil wie den Wettkampfstrecken.
5. Laufen kann man überall und jederzeit. Die wichtigste Einheit für
den Freizeitsportler ist der lange, langsame Lauf über 15-25km. Pro Woche
empfehle ich nicht mehr wie 60-70km zu laufen.
6. Außreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung mit genügend
Flüssigkeit ist die Basis einer schnellen Regeneration.
7. Nach dem Triathlon ist vor dem Triathlon.
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