O-Töne
O-Töne
"Ich war schon enttäuscht wie schlecht die Kurzdistanzler Rad fahren, da konnte keiner kreiseln und auch beim Berg abfahren habe ich mich in aerodynamischer Position begeben und nur rollen lassen und hatte wieder ein paar Meter Vorsprung." - Jürgen Zäck zur DM 2003.
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In Biologie war
ich nie wirklich gut.
Vererbungs-Mendel halte ich heute noch für einen armen Irren (ich
bin sicher, das Dummheits-Gen vererbt sich grundsätzlich dominant
fort!) und Darwin war ein alter Abschreiber.
Nur Albert Schweitzer, den
Urwald-Guru und Zoologen vor dem Herrn - deeeen und seine Monsterbürste
unter der Nase fand ich immer schon dufte. Nun ist der Gute ja schon
ne Weile unter der Erde und das einst beforschte Gewürm und Gekreuch
scharwenzelt ihm jetzt gewiß zwischen den Augenhöhlen rum.
Schlechte Voraussetzungen um zu erleben, was ich Pfingstmontag in Hilpoltstein
erleben musste - er hätte sicher seinen wissenschaftlichen Spaß daran
gehabt:
Die Invasion der Riesenochsenfrösche.
Ein kleiner Rückblick: Pfingstsonntag, auf dem Weg von West nach
Ost. Von Baden-Württemberg nach Bayern. Am Tag zuvor noch saß ich
mit meiner Holden und ein paar Freunden am Breitenauer See, hielt mein
Gemächt und auch meine Schultern in die Sonne, freute mich des Lebens,
verbrannte mich vorzüglich und war ob der ausgelassenen Hammelbrater
und Würstchengriller um uns herum bester Dinge. Nun war ich schon
etwas weniger entspannt. Die gefühlte Temperatur lag bei 1000°C,
aber Denis fuhr sein Familienschlachtroß - wie immer - in stoischer
Ruhe, langärmelig und unklimatisiert gen Hilpoltstein. Lethargie
wäre vielleicht der passendere Begriff. Ich saß auf dem Beifahrersitz,
wühlte intensiv im CD-Berg nach geeigneten Wohlklängen und
schrammelte mir dann zu Rage against the Machine so richtig einen ab.
Musikalisch gesehen. Is ja jugendfrei hier. Die Zeit verging so dann
doch angenehm schnell, die Luft wurde deutlich fränkischer und ei
der daus - noch ehe ich verdursten konnte waren wir schon da. Also in
Hilpoltstein. Die Suche nach dem Ort der Orte hat sich dann nochmal ne
halbe Stunde hingezogen. Ein einziges trauriges Fledderschild haben wir
gesehen - "Hier zur Radabgabe" stand drauf. Da wollten wir
aber noch gar nicht hin. Mussten ja noch die Startunterlagen abholen.
Am Freibad waren wir, am Rathaus, an einem flachbarackenartigen Gebäude
namens Stadthalle kamen wir auch vorbei. Und irgendwie ham wers dann
doch bis an den Kanal geschafft und das richtige Zelt gefunden.
Die fesche Brrrigidde
Kaum die Brille zurechtgerückt, den feschen Blick aufgesetzt und
das größte Zelt am Ort betreten, da rollte mir schon das erste
R des Tages entgegen. "Brrrigidde? Brrrigidde schau doch amol nach
- ich glaub des is Starrrtnummar 428" Ja, das war meine Nummer.
Freundlich schmetterte ich zurück: "Jo, des paßt scho". "So,
dann fehlt uns aber noch das Starrrtgeld" - Schweigen. "Oder
hast du das bezahlt?" - öhm ... "Brrrigidde, komm du doch
amol her bidde!" Brigitte stellte fest, daß ich als unzuverlässiger
Zeitgenosse den Obolus an den Veranstalter noch nicht entrichtet hatte.
Das war mir nicht nur mittelschwer peinlich, sondern auch n büschn
blöd, weil ich gar nicht genug Bares dabei hatte. Meine Naturalienverhandlungen
scheiterten, meine behaarten Beine wollte dort niemand - sogar das Eichhörnchen
is abgehauen. Also Abmarsch - raus aus dem Zelt, rein nach Hilpoltstein,
Geldautomaten suchen, fluchen, Geld abbuchen - und dann ab zurück,
Unterlagen holen. Es gab wie nicht anders zu erwarten - die üblichen
Verdächtigen. Startnummern zweifach, Sicherheitsnadeln, ne Challenge-Flasche,
n Challenge-Handtuch, ne Challenge-Broschüre, ein paar "schöner
unsere Dörfer und Gemeinden" - Pamphlete von der regionalen
Tourismusmafia und natürlich ein paar lekker Riegel.
Wiedersehen mit alten Gefährten
Ich bin noch nicht ganz raus ausm Zelt, da stoße ich mit Natalie
und Jimmy zusammen. Zweifellos Zeitgenossen auf die nur die besten Attribute
zutreffen. Besonders auf Natalie, die extra aus Darmstadt kam, nur um
zuzusehen und Fotos zu schiessen - die nebenbei bemerkt sehr geil geworden
sind. Mal abgesehen von den Fotomotiven vielleicht - aber dafür
kannse ja nix. Wir sind dann noch locker die Radrunde abgefahrn, n bissel
Beine lockern und Dummfug erzählen. Die Strecke war wunderschön
und versprach gute Radzeiten. Nachmittags, nachdem wir auf der Runde
ein paar Trompetenfrösche in die Landschaft entlassen hatten, hamwer
noch ein paar der übrigen Forumsprotagonisten getroffen (flomauer,
dickermichel, newbie und noch ne stange mehr), mehr oder weniger intensive
Blicke in Biergläser geworfen, zerkochte Pasta runtergedrückt
und die Biestmilch-Tussi angeprangert. Nochmal zur Erinnerung - es waren
2000°C und hatte seit Tagen nicht geregnet. Da kam sone wasserstoffblonde
Dreiwettertaft-Fee vorbeigeschneit. Gewandet in ein Biestmilch-T-Shirt
nebst passendem Hennen-Tattoo des Firmenlogos auf der aufgekrempelten
Schulter flanierte sie an den Bierbänken vorbei, warf ihren glühenden
Zigarettenstummel mit ausreichend Restrauch-Potential direkt vor uns
auf die furztrockene Wiese und verschwand im VIP-Bereich zu ihrem Lover,
dem Mortadella-Moderator. Und es sei hier nochmal wiederholt: DAS PRANGERE
ICH AN! So, weiter im Text.
Die letzte Nacht vor einem Rennen ist doch gar nicht so wichtig
Nach dem Pasta-Gelage gings ab ins Hotel. Wir hatten offenbar etwas Pech
bei der Zimmervergabe. Normale Zimmer waren wohl nicht mehr frei -
wir teilten uns zu dritt die Vier-Betten-Sauna direkt unterm Dach.
Es war dort brüüüülllend heiß. Im doppelten
Sinne brüllend, aber das kommt ja noch. 3000°C und maximale
Luftfeuchtigkeit. Im Fernsehen kam nur Schrott und Metallica live vom
Rock am Ring. Natalie war, wie Denis und ich feststellen mussten, musikalisch
eher zart besaitet. Auf Ihrem Ipod fanden sich nur so Trommelfellterroristen
wie .... ehhhm ... hab ich schon wieder vergessen. Jedenfalls war Metallica
sicher ne Tortur für sie. Sie hat es dann aber doch tapfer überstanden.
Was dann kam war viel schlimmer. Der Fernseher war ausgeknipst, alle
verfügbaren Fenster ausgehoben, die Klamotten verbrannt, die Decken
in den Schrank zurückbefördert lagen wir nackt auf unseren
Betten. Und wir feierten keine Orgie, nein - wir wurden Opfer einer
solchen. Zehntausende, ach was sag ich: Abermillionen wollüstige
Riesenochsenfrösche gaben sich unweit unseres Hotels ein gar sangesfreudiges
Stelldichein. Es quakte, trompetete und röchelfroschte die ganze
Nacht lang. Wenn die einen fertig waren, hatten die anderen wohl wieder
Lust aneinander gefunden. Es war zum Mäusemelken. Wobei ... die
hätten uns grad noch gefehlt. Irgendwann dann, nachdem ich alle
10 Minuten abwechselnd wegen der Hitze oder der Frösche wach wurde,
war die Nacht vorbei. Frühstück halb sechs mit Kaffee, Kuchen
und Orangensaft - und ab zum Start.
Über richtige Schwimmkleidung
Nochmal schnell alles gecheckt, Reifen, Luftdruck, Gesöff, Fressalien,
Startnummer - paßt. Denis hatte seinen Neo im weit entfernten Auto
liegen lassen und behauptete nun steif und fest, er wollte sowieso ohne
Neo schwimmen. Na klar - als einziger. Sehr glaubwürdig :-) Um dem
ganzen noch die Krone aufzusetzen, isser dann todesmutig mit Radtrikot
ins Wasser gestiegen. Im festen Glauben, daß das ne gute Idee wäre.
500m nach dem Schwimmstart, als ich Denis, der sonst immer Lichtjahre
schneller ist als ich, direkt rechts vor mir schwer angestrengt durchs
Wasser rudern sehe, wird mir klar, daß sich hier und heute jemand
den Titel "Krone der Schöpfung" verdient hat. Ich bin
mittlerweile am Brustschwimmen - und damit schnell genug, um locker an
Denis dranzubleiben. Als er mich dann schließlich mit großen
Augen entdeckt, überhole ich ihn lässig mit ein paar Kraulzügen.
Jaja, auch ich bin manchmal ein richtiges Arschloch. Die Uhr steht bei
39:58, da entschwebe ich dem Wasser, würge den Orca Predator 2 vom
Leib und renne durchs Wechselzelt zum Rad.
Rechenspiele I
Raus aus der Wechselzone, und schwungvoll aufs Rad gehopst. Wenn man
in diesem Moment Sterne sieht, dann ist mit dem Hopsen etwas schiefgelaufen.
Es waren diesmal nur wenige Sterne, die leuchteten ... Es ging gleich
nach rechts einen sanften Anstieg hoch - ich nahm einen Schluck aus
der Pulle und fing gleich mal mit Rechnen an. 'Es sind drei Runden á 32km.
Pro Runde 50 Minuten und dann wär ich bei 2:40' So dachte ich
mir das. Bombensichere Sache. Rechenkünstler. Klares Ding. Viele
viele hab ich auf den ersten Kilometern überholt. Und mei hab
ich mich geärgert, daß ich so spät ausm Wasser bin
- Dieses langsame Rumgefahre bremst immer ziemlich. Da musste ich mich
schon sehr auf meinen Rhytmus konzentrieren, um nicht zu lasch anzugehen.
Erste Runde Durchgangszeit 52:34 handgestoppt. Ich rechne natürlich
wieder hoch:
'Wenn 3 mal 50 2:40 ist, dann komm ich mit der Zeit wahrscheinlich bei
2:50 raus - werd ja sicher tendenziell langsamer' Mitte der zweiten Runde
wurde es dann menschenleer auf der Strecke. Ab und an überholte
ich mal ein paar - überholt wurde ich zu meiner Überraschung
gar nicht. In Freystadt, dem Ort mit dem Eier-Terror-Kopfsteinpflaster
griff ich mir wahllos eine Flasche irgendwas und eine Banane, die mir
gleich wieder aus der Hand flutschte. Ich stellte mir vor, wie ein armer
kleiner Dorfhund später darauf ausrutschen und sich ein Bein brechen
würde. Das fand ich dann selbst auch ziemlich gemein und hab in
Gedanken den Hund gegen einen Mistkäfer ausgetauscht. In der Flasche
war, wie ich nach späterem Testtrinken feststellte, ein leichter
Pfefferminztee. Das tat ja uuunglaublich gut. Ich glaub, das werd ich
in Frankfurt auch als Geschlürf benutzen. Durchgangszeit 2. Runde:
52:10 handgestoppt. '2:45h sind ja vielleicht noch drin' Die letzte Runde
hab ich dann durchgedrückt, noch zweimal getrunken, einen halben
Bar in den Rachen geschmissen, den Hintern zusammengekniffen und richtig
reingetreten. Kurz vor Ende der letzten Runde überrundete ich einen
Mitstreiter und kam nach 49:10 handgestoppt in die Wechselzone.
Streng nach Puls
Das Wechseln dauert bei mir immer n bissel. Man will ja nix vergessen,
nich wahr. Ich schaute nicht weiter auf die Uhr. 2:45 + 43 minuten
vom Schwimmen mit Wechsel müßten so 3:30 gewesen sein. Dachte
ich, Rechenkünstler der ich bin. Die erste der 3 Laufrunden lief
ich in 27 Minuten irgendwas. Die Bewölkung und der Wind vom frühen
Morgen hatten sich inzwischen verzogen und die bösfiese Sonne
schmetterte auf uns hernieder. Ich hielt Ausschau nach Bekannten, die
einem auf einer Gegenverkehrs-Wendestrecke ja irgendwann entgegenkommen
müssen. Niemand. Nach der ersten Runde bekam ich dann Durst und
Rückenschmerzen. Gegen Durst half Geschlürf, aber der Compex,
der gegen Rückenschmerzen hilft, war leider nicht verfügbar.
Hunger meldete sich auch, aber den hab ich dann totgeschwiegen. Nach
1.5 Runden dann hatte ich auch Denis entdeckt. Der sah mal wieder aus,
als würde er "nach Puls" laufen und sein Polar in den
Augapfel implantiert haben. Locker, entspannt, unangestrengt.
Dann kam erst ein Mountainbike mit einem aufgeregten Zappelheini als
Fahrer und wenig später Lothar Leder an mir vorbeigeschritten. Von
Ferne hörte ich später dann schon das ruhmlose Geschwätz
des Moderators. Als später die erste Frau ins Ziel einlief und ich
gerade entgegengesetzt meine Beine zum Wendepunkt trieb, da kaspertheaterte
es mir um die Ohren: "Seid ihr alle gut draaaaaaaaaaauuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuffffffffffff?" Auf
der anderen Flusseite standen 2 Wohnmobile und eine handvoll Schaulustiger. "Ihr
auf der anderen Flussseite: Seid iiiihhhrrr guuuttt draaaaaaauuuuuuuuuuuufffff?
Wie heißt die Siegerein? Heeeeeiiiikeeee Fuuuuuuunkkkkkk - und
jetzt allleeeee: Fuuuuuunkkk" Ein Trauerspiel. Ein Monolog in 5
Stunden. Soweit ich das Beurteilen konnte fühlte sich niemand ernsthaft
animiert dadurch. Vielleicht konnte ich den TheaterPeterle aber auch
nicht leiden, weil seine Schreckschraube so eine Plinse ist.
Rechenspiele II
Nach 4:40 und 4 Sekunden war ich im Ziel und wunderte mich dann doch
ein wenig. Meine Uhr zeigte eine Laufzeit von 1:22 an. Nach meiner
Hochrechnung hätte ich demnach negativ gewechselt haben müssen
um auf diese Zeit zu kommen. Erst später dann, zu Hause mit Hilfe
des universalen Rechengenies Taschenrechner ging mir auf, daß 3x50
Minuten 2:30 macht. Aber so hab ich mich wenigstens nich selbst beschissen
:D Im Ziel hab ich mich mit hängender Zunge kräftig am Buffet
ausgelebt. Melonenscheiben, Waffeln, Brühe, belegte Brote, alles
was das Herz begehrte. Geduscht wurde ich vom örtlichen Feuerwehrzivi.
Der hatte die dankbare Aufgabe das eiskalten Inhalt eines Wassertankers
in 10l Eimer zu verteilen, auf stinkende, nackte Sportler zu warten
und sie dann der Reihe nach mit dem Eimerinhalt zu beschmeissen. Hach
war das schön. Simon traf ich später noch, der ebenfalls
eine lange entbehrungsreiche Anfahrt hinter sich hatte.
Alles in allem ein schönes Wochenende, das Lust auf mehr macht.
Für Frankfurt bin ich guter Dinge - hochrechnen soll man ja nicht,
aber ich halte mittlerweile eine Zeit knapp unter 11:30 für erreichbar.
Samstag lauf ich nochmal 10km und eine Woche später noch einen Sprinttriathlon
am Stutensee um letzte Reize zu setzen. FRANKFURT ICH KOMMEEEEEEE. don't
forget: keep smiling!
Links:
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01.02. COMPEX
01.02. CUBE
BIKES
01.02. Der
Ausdauerprofi
01.02. Orca
01.02. Polar
01.02. PowerBar
01.02. Xdream
Der Gewinner
19.07. Der längste Tag
09.07. Flashback
29.06. In
Biologie war ich nie...
31.05. Latex
für Liebhaber
19.04. Frühlingserwachen
01.04. Trainingslager
08.03. Frohe
Botschaften
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